Landesvertreter hat in der Uelzener Stadthalle einen schweren Stand

Weidetierhalter diskutieren über den Wolf: "Das Vertrauen ist futsch"

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„Wir wollen auch ein Recht auf Leben“, steht auf dem Plakat der Weidetierhalter. An der Diskussion nimmt auch Ex-Landwirtschaftsminister Hans-Heinrich Ehlen (3. von links) teil.

Uelzen. Konstantin Knorr hat gestern keinen einfachen Stand. Als Vertreter des Niedersächsischen Umweltministeriums ist er gestern Adressat der angestauten Wut von Weidetierhaltern und Landbevölkerung.

Konstantin Knorr.

„Aufhören“, klingt es zweimal aus dem Publikum in der Uelzener Stadthalle, als er erläutert, was das Ministerium in Sachen Wolf schon getan hat. Auch auf dem Podium hat der Wolf einen schlechten Stand. „Wölfe... wie soll es weitergehen?“, das ist die Frage, die nicht nur die Vereinigung „Weidetierhalter Nordost-Niedersachsen (WNoN)“, sondern mehrere hundert Besucher in der Stadthalle umtreibt.

Dabei geht es auch um Bürokratie, wenn Tiere gerissen werden. „Zwei Zentimeter zu tief, der Zaun, da gibt’s keine Entschädigung“, ärgert sich Hans-Heinrich Ehlen, ehemaliger Landwirtschaftsminister, Landwirt und heute Vorsitzender des Verbands der Grundeigentümer. Überhaupt die Empfehlungen wie Zäune, Hütehunde und Herdenschutzesel: „Das sind Sachen, die für Theoretiker sind“, findet der CDU-Politiker. „Ich sag’ mal, für Träumer.“ 

„Das Vertrauen ist futsch“, sagt der Ebstorfer Rüdiger Wnuck in Hinsicht auf frühere Aussagen amtlicher Stellen über das Verhalten des Wolfs. Artgerechte Tierhaltung auf der Weide werde zunehmend unmöglich. Wolfssichere Zäune würden zu Barrieren für seltene Tierarten.

Ministeriumsvertreter Knorr zählt auf, wo man den Weidetierhaltern entgegengekommen ist. So sollen zukünftig auch Hobbyhalter bei Wolfsrissen entschädigt werden und es soll auch Geld für die Wiederanschaffung von Zäunen geben. Auch solle die Höchstgrenze für Entschädigungen auf 30 000 Euro verdoppelt werden. „Wir liegen gar nicht so weit auseinander“, so Knorr.

Tatsächlich haben die Weidetierhalter schon einiges erreicht, betont Martin Holm, stellvertretender Vorsitzender des Verbands deutscher Fleischrinder-Halter. Durch die Beweidung des Landes leisten die Tierhalter einen Beitrag zum Naturschutz. „Unsere gesellschaftlichen Leistungen verdienen den Schutz der Gesellschaft“, findet Holm.

Wolfsberater Klaus Bullerjahn aus Medingen kritisiert, das Umweltministerium habe auch nach zwei Jahren immer noch keine eigenen Möglichkeiten, Problemwölfe zu vergrämen. „Man muss die Maßnahmen auch umsetzen können“, so Bullerjahn. Wenn ein Wolf wie im Falle von Schäfermeister Gerd Jahnke in Südergellersen mehrfach zuschlage, müsse es möglich sein, einzugreifen. „Letzlich ist der Wolf das Objekt der Besserung, nicht der Mensch.“ Wie sich die Ausbreitung des Wolfs auf das Leben der Landbevölkerung auswirkt, schildert Edith Schröder, Soltauer Landfrauenvorsitzende: „Nicht aus Hass, sondern aus Sorge fordern wir, den Wolf von Siedlungen fernzuhalten. Es kann nicht sein, dass Eltern sich nicht trauen, ihre Kinder draußen spielen oder allein zur Bushaltestelle gehen zu lassen.“ So sieht es Uelzens Landrat Dr. Heiko Blume: „Für mich kann es nicht sein, dass der Mensch Scheu vor dem Wolf hat, sondern der Wolf muss Scheu vor dem Menschen haben.“

Prof. Michael Stubbe.

Vor der weiteren ungehinderten Ausbreitung des Wolfs warnt der Zoologe Prof. Michael Stubbe. „Wenn wir keine entnehmen, haben wir 2021 1000 Wölfe in Deutschland, 2025 2000 Wölfe.“ Vorschlag des Wissenschaftlers: „Man sollte Großschutzgebiete für den Wolf festlegen, ihn aber außerhalb zu einer bestimmten Jahreszeit bejagen.“

Von Gerhard Sternitzke

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