Wegen Gewalt und Überforderung: 40 Kinder in 2013 aus Familien genommen

Mehr Fälle für Pflegeeltern

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Die Zahl der unentdeckten Fälle von häuslicher Gewalt gegenüber Kindern sei sehr hoch, heißt es vom Kinderschutzbund.

Uelzen/Landkreis. Die Zahl der Fälle, bei denen Kinder und Jugendliche aus ihren Elternhäusern herausgenommen wurden, ist 2013 im Vergleich zu den Vorjahren gestiegen. Das teilt der Landkreis Uelzen auf Nachfrage mit.

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40 Mal sei das Jugendamt des Landkreises wegen einer Kindswohlgefährdung tätig geworden und habe Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 17 Jahren bei Pflegeeltern untergebracht. 2012 war dies im Landkreis 37 Mal der Fall, im Jahr zuvor 36 Mal.

Als Gründe für die Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen im vergangenen Jahr gibt der Landkreis unterschiedliche Gründe an. So ist es in Familien zu „starken Vernachlässigungen“ gekommen, die auch durch begleitende Maßnahmen des Jugendamtes nicht mehr aufgefangen werden konnten, erläutert Kreis-Pressesprecher Martin Theine. Wegen massiver Streitigkeiten oder häuslicher Gewalt seien auch Kinder und Jugendliche ausgerissen und hätten nach ihrer Rückkehr oder ihrem Aufgreifen erklärt, nicht mehr bei ihren Eltern leben zu wollen. „Es gab jedoch auch Fälle, bei denen Eltern sich an das Jugendamt wandten, weil sie mit einer Erziehung überfordert waren“, schildert Theine.

Beim Kinderschutzbund Uelzen setzt man in dieser Angelegenheit auf präventive Maßnahmen. Der Grund: Vorsitzende Agatha Schnepper erkennt ein wesentliches Problem für die Gewaltanwendung bei Kindern in der Hilflosigkeit der Eltern. Ihnen mangele es an Vorbildern, sagt sie. „Das ist ja ein gesellschaftliches Problem, das wir haben.“

Für Kinder und Jugendliche, die aus ihren Elternhäusern genommen werden, stehen im Landkreis Uelzen 66 Pflegefamilien zur Verfügung, mit deren Hilfe auch die im vergangenen Jahr in Obhut genommenen Kindern versorgt werden konnten, teilt der Landkreis mit. Allerdings, so Theine, würden immer wieder auch neue Pflegeeltern benötigt.

Von Norman Reuter und Anna Petersen

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