Gefahr auf vier Pfoten

Waschbären dezimieren auch in Uelzen heimische Tierarten

Zwar sehen die Waschbären niedlich aus, doch für die heimische Tierwelt sind sie gefährlich. Als Raubtiere plündern sie unter anderem Vogelnester und dezimieren so den Bestand.
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Zwar sehen die Waschbären niedlich aus, doch für die heimische Tierwelt sind sie gefährlich. Als Raubtiere plündern sie unter anderem Vogelnester und dezimieren so den Bestand.

Uelzen – Für Gisela Lüchow begann der Tag mit einem Schreck. „Ich habe morgens Geräusche aus dem Keller gehört“, sagt die Uelzenerin. Im Schacht, der mit dem Schornstein verbunden ist, entdeckte sie schließlich vier junge Waschbären. „Die haben mich angefaucht.

Ich habe Angst gekriegt“, berichtet Lüchow.

„Ich wusste gar nicht, an wen ich mich wenden soll“, so Lüchow weiter. Zwei Kammerjäger kamen letztlich zu Hilfe, entnahmen das Nest und die Tiere aus dem Schacht und stellten außerdem eine Lebendfalle für die Eltern auf – bisher vergeblich. „Das sind schlaue Tiere“, weiß Lüchow. Vermutlich durch den Schornstein seien sie in den Keller gelangt.

Stadtförster Thomas Göllner ist das Problem mit den kleinen Raubtieren bekannt. „Wir wissen, dass der Waschbär bei uns in Uelzen vorhanden ist“, so Göllner. Im ländlichen und städtischen Raum sei er heimisch, wobei er sich besonders in Feuchtgebieten in der Nähe von Flüssen oder Seen wohlfühle – Gisela Lüchows Grundstück an der Wipperau war damit ideal. Dass die Tiere nur selten gesehen werden, liege daran, dass sie nachtaktiv seien.

Problematisch sind die Waschbären laut Göllner deswegen, weil es sich bei ihnen um sogenannte Neozoen handelt – oder „Neubürger“, wie der Stadtförster es vereinfacht ausdrückt. Ursprünglich in Nordamerika beheimatet, gelangte der Waschbär in der Mitte des 20. Jahrhunderts auch nach Europa, wo er sich schnell ausbreitete.

Waschbären sind Allesfresser und Raubtiere, weshalb er „so gut wie keine Feinde“ habe, weiß Göllner. So könne er sich ungebremst vermehren, Vogelnester plündern oder laichende Amphibien jagen und so die heimischen Bestände dezimieren. „Der mag ganz putzig aussehen, aber er hat in unserer heimischen Tierwelt nicht so seinen Platz“, erklärt Göllner. Aus diesem Grund sei auch schon die Jägerschaft aufgerufen worden, die Waschbärbestände zu regulieren.

Gisela Lüchow habe daher auch korrekt gehandelt, indem sie die Kammerjäger rief. Ebenso möglich sei es, sich an die Jägerschaft des Landkreises zu wenden. „Es gibt unterschiedliche Ansätze“, so der Stadtförster.

VON DANIEL BIELING

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