VON WOCHE ZU WOCHE – Kommentar von AZ-Redakteur Andreas Urhahn zum Bankensterben in der Region 

Was, wenn die Alten nicht mehr sind?

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Jüngstes Beispiel für ein Filial-Sterben in der ländlichen Region: Die Volksbank in Wrestedt wird Ende Mai geschlossen. Die Kunden müssen dann nach Uelzen ausweichen.

Was zeichnet die Volksbanken und Sparkassen aus? Das Filialnetz. In vielen kleinen Orten gibt es Niederlassungen – gab es, muss man wohl bald sagen. Aktuellstes Beispiel ist das Aus für die Volksbank in Wrestedt in dieser Woche.

Zu Recht geht die Sorge um, dass andere Einrichtungen folgen könnten.

Den Einwohnern auf dem Lande kommt es nämlich nicht nur so vor, als würden sich neben Bank-Filialen auch Geschäfte, Ärzte, Gastronomen, die Post und so weiter von Jahr zu Jahr weiter zurückziehen. Im ländlichen Raum bedeutet das: Ein Ort wird geschlossen.

Wenn die Menschen vom Lande schon zur Bank in die Stadt müssen – warum dann nicht auch gleich den Einkauf dort tätigen, den man sonst beim örtlichen Einzelhändler erledigt hätte? Und wenn man schon mal in der Stadt ist, auch gleich dort zum Arzt gehen?

Bis wann lohnt sich welches Geschäft noch? Wann macht die kleine Tankstelle zu? Der Bäcker, der Fleischer? Der Frisör?

Für mobile, fitte Menschen in Rente ist das vielleicht kein größeres Problem, doch was tut die verwitwete Seniorin, die kein Auto hat und gesundheitlich eingeschränkt ist? Sie hofft darauf, dass ein Bus sie in die Stadt bringt. Wenn es denn überhaupt eine passende Verbindung gibt.

Die Banken verweisen auf das Online-Banking. Viele unserer älteren Mitbürger können damit aber gar nicht umgehen, haben weder Internet noch Computer. Sie sind auf den persönlichen Kontakt angewiesen. Oder auf ihren Nachbarn, der sie vielleicht in die Stadt fährt.

Die Berater, die vor Ort arbeiten, sind den Dorfbewohnern oft von klein auf bekannt, das schafft Vertrauen. So eine persönliche Beratung von einem Menschen, den man kennt und schätzt, kann keine Bank über das Internet bieten. Nicht zu unterschätzen ist auch der Schnack, den man hält. Filialschließungen bedeuten auch eine weitere Vereinsamung der Dorfbevölkerung.

Uelzen, wo die Geschäftsstellen bleiben, ist nicht das Heimatdorf. Die Kassiererin im Discounter kennt ihre Kunden oft nicht persönlich – schon gar nicht die „vom Dorf“. Und sie hat auch gar keine Zeit für Klönschnack.

Das Land vereinsamt, die jungen Leute gehen in die Stadt. Was ist, wenn die Alten nicht mehr sind?

Die Politik ist gefordert, hier entschieden gegenzusteuern.

Nur mit Nachbarschaftshilfe und Ehrenamt kann diese Entwicklung nicht aufgehalten werden.

Das Land muss attraktiver werden – Geisterdörfer kann sich niemand wirklich wünschen.

Das Land wird geschlossen.

VON ANDREAS URHAHN

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