Zuständigkeits-Chaos: Schießen verboten...

Warum die Bundespolizei in Uelzen seit zwei Jahren nicht trainieren kann

+
Einsatzübung der Festnahmehundertschaft am Uelzener Hainberg: Für das Schießtraining ist zwar ein Schießstand vorhanden, aber er ist stillgelegt – die Einheiten müssen jedesmal nach Hamburg fahren.

Uelzen. Sie sind Spezialisten für besonders knifflige Aufgaben: Wenn es gilt, gerichtsverwertbares Material gegen Straftäter etwa während Demonstrationen oder bei Fußballkrawallen zu sichern, ist die Beweis- und Festnahmehundertschaft der Uelzener Bundespolizei häufig an vorderster Front.

Die Stationierung einer Anti-Terror-Einheit am Hainberg ist außerdem in der Planung, dazu sind aktuell 120 Polizeibeamte in der Ausbildung in der hiesigen Bundespolizei-Kaserne untergebracht – ein Beleg, welche Bedeutung der Standort Uelzen für die Bundespolizei hat.

Doch auf ihren Arbeitgeber, den Bund, sind viele der Polizisten derzeit nicht so gut zu sprechen – sie fühlen sich im Stich gelassen. Denn zu der hohen Arbeitsbelastung (nur ein freies Wochenende pro Monat) und regelmäßigen Flüchtlings-Einsätzen an der österreichisch-deutschen Grenze kommen zusätzliche zeitliche Belastungen durch mangelhafte bauliche Voraussetzungen: Weil der Schießstand am Hainberg wegen baulicher Mängel gesperrt ist, muss die wichtige Schießausbildung aktuell in Hamburg absolviert werden – mit Hin- und Rückfahrt ist das stets ein „Tagesprojekt“.

Der Pistolenstand in der Kaserne ist seit rund fünf Monaten nicht mehr nutzbar, der Gewehrstand sogar seit zwei Jahren nicht mehr.

Sachverständige hatten bei routinemäßigen Überprüfungen festgestellt, dass die Anlagen nicht mehr den neuesten Sicherheitsvorschriften entsprechen.

Und eine Sanierung zieht sich wegen eines Zuständigkeits-Chaos hin. So werden die Kosten für die Instandsetzung und den Unterhalt der Schießstände von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben getragen. Sie stellt als Eigentümer der Bundespolizei die Nutzung in Rechnung. Und zur Durchführung der Instandsetzung bedarf es noch eines Vertrages, dessen Modalitäten derzeit zwischen Bundespolizei und Bundesanstalt geklärt werden... Alle Beteiligten seien sich aber einig, dass schnellstmöglich eine Sanierung erforderlich ist, hieß es auf AZ-Anfrage.

Von Thomas Mitzlaff

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare