Wann rollt Wawel aufs Abstellgleis?

Zwei polnische und zwei deutsche Waggons bilden den Eurocity Wawel, der zwischen Uelzen und Berlin verkehrt – noch.Archivfoto: Ph. Schulze

tm/tp Uelzen. Er hat zumeist nur vier Waggons, zwei deutsche und zwei polnische, letztere im Winter öfter ungeheizt und dunkel, er führt seit einigen Jahren noch nicht einmal mehr einen Speisewagen, selten nur ein Verkaufsabteil mit sich. Nein, der Inbegriff des luxuriösen Reisens ist der Eurocity Wawel nun wirklich nicht.

Und dennoch wird er von Bahnreisenden gut genutzt, ist er doch, von einem weiteren Freitagszug abgesehen, die einzige Direktverbindung von Uelzen nach Berlin. Nur anderthalb Stunden braucht der Zug morgens in die Bundeshauptstadt und abends zurück. Und hartnäckig halten sich jährlich die Meldungen, dass der Wawel mit dem nächsten Fahrplanwechsel gestrichen werden könnte, Uelzener somit über Hannover reisen müssten – was teurer ist und doppelt so lange dauert. „Wie weiter, EC Wawel?“, fragt der „Bahn-Report“ nunmehr in seiner jüngsten Ausgabe. Doch die Deutsche Bahn gab auf Nachfrage der AZ Entwarnung – vorerst: „Auch in 2011 steht der Wawel in unserem Kursbuch“, erklärte Sprecher Egbert Meyer-Lovis auf AZ-Nachfrage. Wie es dann weitergehe, könne man heute noch nicht sagen.

Der Eurocity Wawel, benannt nach der Burg in seinem Zielort Krakau, verbindet Hamburg und somit auch Uelzen mit Berlin und Krakau. Täglich außer sonntags fährt er morgens von Hamburg über Stendal, Berlin und Cottbus nach Polen, am Nachmittag geht es (außer sonnabends) in die umgekehrte Richtung.

Inzwischen sei öffentlich, was dem Reisenden oder aufmerksamen Beobachter schon lange geschwant habe, heißt es im Bahn-Report. DB Fernverkehr und die polnische Gesellschaft PKP Intercity hätten bei dem gut besuchten Regionalforum „Schnelle Zugverbindungen zwischen Berlin, Dresden und Wroclaw“ in Berlin bekundet, dass das Zugpaar EC 340 /341 Krakow-Wroclaw-Hamburg der Einstellung nahe sei. Zwar wäre Rettung möglich und gerade von polnischer Seite würden verschiedene Varianten vorgestellt, doch drohe ein langfristig tragfähiges Konzept an fehlender Einigkeit der beteiligten Bahnen zu scheitern.

Der „Wawel“ stelle derzeit zwar das einzige Zugpaar zwischen Deutschland und dem südlichen Polen dar, jedoch würden die Nutzerzahlen beständig sinken. Ebenso wie die Attraktivität, was nicht nur am fehlenden Speisewagen liege, sondern auch an den immer häufiger ausfallenden Erste-Klasse-Waggons oder auch der sehr niedrigen Durchschnittsgeschwindigkeit.

Die hat ihre Ursache allerdings weit entfernt von Uelzen. Besonders der Abschnitt zwischen Berlin und Wroclaw sei dafür verantwortlich. Der Zustand der befahrenen Strecken lasse aufgrund der jahrzehntelangen Vernachlässigung kein höheres Tempo zu, so dass auf diesem Streckenabschnitt nur 58 Stundenkilometer erreicht würden.

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