Stimmungsvoller Auftakt des Uelzener Adventskalenders mit Ex-Propst Hube

Die Wahrheit in der Krippe

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Uelzen. „Das ist Kult“, schwärmten die Freunde des Uelzener Adventskalenders, die sich gestern Abend zur Öffnung des ersten Fensters vor dem Alten Rathaus versammelten.

Während die ersten Trompetenklänge von Horst Schulz über den Dächern der Innenstadt verhallten, blickten sich zahlreiche Besucher um. Der Trompeter stand nämlich nicht, wie jedes Jahr, im Dachfenster des Alten Rathauses, weil dieses gerade umgebaut wird, sondern musizierte aus dem zweiten Stock des gegenüberliegenden Wohnhauses. Doch eine Tradition blieb gewahrt: Schulz erhielt für seine Darbietungen kräftigen Applaus.

Zu der Veranstaltung begrüßte Citymanager Joachim Lotz im Namen des Uelzener Handelsvereins mehrere hundert Besucher, die in dicht gedrängten Reihen vor dem erleuchteten Gebäude standen. Plötzlich ging ein Raunen durch die Menge: Drei als Engel verkleidete Mädchen erklommen die Leiter und enthüllten das Bild „Engel des Trostes“ der deutsch-schwedischen Künstlerin Dagmar Glemme, das sich hinter dem ersten Fenster verbarg.

Festredner zum Auftakt des Adventskalenders war der pensionierte Propst des Kirchenkreises Uelzen, Hans-Wilhelm Hube. Er erzählte von den Krippenfiguren, die er in diesen Tagen auf seinem Schreibtisch aufgestellt hat. Dabei gab Hube einen Einblick in die Gedanken, die die Holzfiguren bewegen könnten. Einer der drei Weisen aus dem Morgenland komme beim Betrachten des Jesuskindes vielleicht zu dem Schluss: „In der Krippe liegt die Wahrheit. Sie wird geboren, man kann sie nicht herstellen durch Grübeleien.“

In Josefs Rolle könnten sich die Männer besonders gut hineinversetzen, meinte der Propst im Ruhestand augenzwinkernd. „Er sagt in der Weihnachtsgeschichte kein einziges Wort. Das Schweigen von ihm und von uns Männern hat miteinander etwas zu tun.“

Dagegen sei Maria wesentlich aktiver: Sie sorge dafür, dass ihr Sohn Jesus groß werde, und setze ihr Vertrauen in Gott über alles, sagte Hube und zitierte eine Passage aus dem Lied „Magnifikat“: „Die nichts vorweisen können, werden mit Güte beschenkt. Die alles schon haben, gehen leer aus.“ Vor diesem Hintergrund rief Hube die Zuhörer dazu auf, in der Weihnachtszeit über sich selbst und ihre Mitmenschen tiefer nachzudenken. „Wir sollten andere mit den Augen der Barmherzigkeit anschauen“, betonte er.

Die Zuschauer waren von der Eröffnung des Adventskalenders beeindruckt. „Wir freuen uns schon seit Tagen auf diesen Abend und haben uns hier mit Freunden zum Glühwein verabredet“, erzählte ein Ehepaar aus Westerweyhe begeistert.

Heute um 18 Uhr wird das zweite Fenster mit einem Glemme-Bild enthüllt. Dann spricht Rüdiger Seide, Leiter der Seniorenresidenz an der Rosenmauer in Uelzen.

Von Angelika Jansen und Bernd Schossadowski

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