Landkreis Uelzen: Lage minderjähriger, unbegleiteter Flüchtlinge entspannt sich

Wahres Alter dank Röntgen

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60 minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge leben derzeit noch im Landkreis Uelzen. Die Lage hat sich laut der Leiterin des Uelzener Jugendamts mittlerweile entspannt. 

Landkreis Uelzen. „Die Anfangszeit war turbulent“, erinnert sich Brigitte Lindenthal an den Beginn des Flüchtlings-ansturms vor eineinhalb Jahren. „Heute segeln wir in ruhigen Gewässern.“

Die Leiterin des Jugendamts Uelzen gab jetzt auf der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Landkreises einen Sachstandsbericht zum Thema minderjährige unbegleitete Flüchtlinge.

Davon gibt es derzeit noch 60, für die das Uelzener Jugendamt zuständig ist. Drei von ihnen sind weiblich. Sie kommen aus dem Irak, Afghanistan und Syrien. 38 von ihnen leben noch in einer Einrichtung, fünf bei Pflegefamilien. 17 minderjährige Flüchtlinge wohnen mit Verwandten zusammen. Mit den jugendlichen Flüchtlingen gebe es laut der Leiterin des Jugendamts nicht mehr Probleme als mit deutschen Jugendlichen. „Wir können nicht behaupten, dass sie besonders auffällig sind.“ Für einige sei es jedoch noch immer schwierig, die chaotische Zeit in ihrem Heimatland zu verarbeiten, „Da gibt es teilweise schon psychische Auffälligkeiten. So etwas braucht Zeit“, gab Brigitte Lindenthal zu bedenken.

Die Lage habe sich merklich entspannt. „Die Zahlen stagnieren beziehungsweise gehen allmählich zurück, weil manche die Volljährigkeit erreicht haben oder weggezogen sind“, erklärte Brigitte Lindenthal. Die Wohngruppe in Bockholt, die vom CJD Göddenstedt betrieben wird, gibt es noch. Die Notunterkunft des Uelzener DRK in Bad Bodenteich im ehemaligen Bundespolizei-Standort ist bereits zum 31. März geschlossen worden.

Oft war von Flüchtlingen die Rede, die sich bei ihrer Einreise jünger gemacht haben, als sie tatsächlich sind. Als Minderjährige erhoffen sie sich eine bevorzugte Behandlung. Auch im Landkreis Uelzen hat es jetzt so einen Fall gegeben, bestätigte Brigitte Lindenthal. „Es gibt vier Fälle, in denen Zweifel an der Minderjährigkeit bestanden haben. Bei einem unbegleiteten minderjährigen Ausländer hat sich diese Einschätzung bestätigt“, erklärte die Leiterin des Jugendamts Uelzen.

Durch eine Röntgenuntersuchung der Handwurzelknochen in einer radiologischen Praxis kann das Alter ziemlich genau festgestellt werden. In den vier Fällen im Landkreis Uelzen hätten die Flüchtlinge freiwillig an der Untersuchung teilgenommen. Denn: Werden Sozialleistungen beantragt, hat der Antragsteller eine Mitwirkungspflicht. Das heißt, dass der Betroffene der Untersuchung zustimmen muss, sagt die Leiterin des Jugendamts.

Bestätigt sich bei der Untersuchung, dass der Flüchtling bereits volljährig ist, hebt das Familiengericht die Vormundschaft auf. Dann muss laut Brigitte Lindenthal geprüft werden, welcher Sozialleistungsträger für weitere Leistungen zuständig ist.

Von Sandra Hackenberg

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