Sieg im Wahlkrimi mit 866 Stimmen

Wahlkreis Uelzen-Celle: Otte (CDU) holt Direktmandat – Schulz (FDP) und Rinck (AfD) neu nach Berlin

Henning Otte gestern Abend im „Dorfkrug“ in seinem Heimatort Eversen: Der 52-Jährige fuhr sein schlechtestes Ergebnis ein und gewann den Wahlkreis mit nur 866 Stimmen Vorsprung gegen Dirk-Ulrich Mende (SPD).
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Henning Otte gestern Abend im „Dorfkrug“ in seinem Heimatort Eversen: Der 52-Jährige fuhr sein schlechtestes Ergebnis ein und gewann den Wahlkreis mit nur 866 Stimmen Vorsprung gegen Dirk-Ulrich Mende (SPD).
  • Lars Becker
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  • Daniel Bieling
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Uelzen/Celle – Der Wahlkreis 44 Celle-Uelzen hat nach den Ergebnissen der gestrigen Bundestagswahl auch im 20. Deutschen Bundestag weiterhin vier Stimmen.

In der zuende gehenen Legislaturperiode vertreten Henning Otte (CDU), Kirsten Lühmann (SPD), Armin-Paulus Hampel und Thomas Ehrhorn (beide AfD) die Region in Berlin, in den nächsten vier Jahren werden das neben Otte und Ehrhorn zusätzlich die FDP-Politikerin Anja Schulz und Frank Rinck (AfD) tun.

Frank Rinck aus Gollern (Mitte) – hier mit seinen Parteikollegen Simon Arndt und Christian Dörhöfer – zieht über die AfD-Landesliste in den Bundestag ein.

In einem echten Krimi sicherte sich Henning Otte zum vierten Mal in Folge das Direktmandat im heimischen Wahlkreis. Auf den CDU-Politiker aus Eversen, der 2005 über die Landesliste erstmals den Einzug geschafft hatte und dann 2009 (44,2%), 2013 (48,5%) und 2017 (42,7%) jeweils überzeugend direkt gewählt worden war, entfielen aber nur 32,9 Prozent der Erststimmen – das mit Abstand schlechteste Ergebnis für ihn also.

Sein SPD-Kontrahent Dirk-Ulrich Mende – nicht über die Landesliste aussichtsreich abgesichert – erhielt gerade einmal 866 Stimmen weniger als Otte (32,3%). Im Landkreis Uelzen holte Otte ganze 263 Stimmen mehr – 32,2 zu 31,7 Prozent für Mende (seine Reaktion steht auf Seite 2).

Otte spricht von „Herzschlagfinale“

„Ziel war es, den Wahlkreis erneut direkt zu gewinnen. Das ist dank vieler Unterstützer gelungen. Wir mussten aber gegen den Bundestrend ankämpfen – es war klar, dass Dirk-Ulrich Mende ein starker Mitbewerber ist, dem ich für die faire Auseinandersetzung danke. Ich wollte erst sicher gehen, dass alle Wahllokale ausgezählt sind. Dass es aber so ein Herzschlagfinale werden würde...“, sagte der 52-jährige Otte merklich erleichtert im AZ-Gespräch aus dem „Dorfkrug“ in Eversen – wohl wissend, dass sein Platz 13 auf der Landesliste vielleicht nicht ausgereicht hätte. „Wir haben in Niedersachsen als CDU viele Wahlkreise an die SPD abgeben müssen, diese Situation werden wir aufarbeiten müssen. Erste Aufgabe ist es aber, eine stabile Regierung zu bilden – wie auch immer die dann aussieht“, so Henning Otte.

Anja Schulz aus Testorf ist – wie erwartet – über die Landesliste (Platz drei) sicher in den Bundestag eingezogen. Sie erhielt als Direktkandidatin allerdings nur 8,6 Prozent der Erststimmen. Mit ihr schafft es zum ersten Mal überhaupt ein liberaler Kandidat aus dem hiesigen Wahlkreis ins Bundesparlament.

„Ich denke, dass die Wählerinnen und Wähler gesagt haben, dass ihnen eine starke Mitte wichtig ist“, sagte die 35-Jährige im AZ-Gespräch. Ihr sei es wichtig, sich jetzt für eine „zukunftsfähige Politik“ einzusetzen. Schulz freute sich über die tolle Unterstützung, die sie durch Parteikollegen und Freunde während des Wahlkampfes erfahren habe. Auch mit den Bürgern habe es viele „zielführende Gespräche“ geben.

Auch das gute Abschneiden ihrer Partei auf Bundesebene bewertet Schulz positiv: „Ich glaube, dass den Wählern zu lange nur verwaltet wurde.“ Welche Koalition sie bevorzuge, ließ Schulz offen, betonte: „Wir wollen natürlich mitregieren.“ Die FDP sei ein wichtiger Ansprechpartner, primär gehe es darum, das eigene Programm durchzusetzen.

Frank Rinck kann es nicht „richtig greifen“

Genauso wie Anja Schulz durfte auch Frank Rinck (AfD) aus Gollern angesichts der Umfragen und seiner guten eigenen Platzierung auf der Landesliste (Platz zwei) sicher davon ausgehen, in den Bundestag einzuziehen. „So richtig greifen kann ich es jetzt aber noch nicht – das passiert wohl erst, wenn ich in Berlin bin“, sagte Rinck gestern Abend am Rande der Wahlparty seiner Partei in Bad Bevensen der AZ.

2015 sei er vor allem deshalb in die AfD eingetreten, um sich Luft zu machen und dabei zu sein. „Dass es jetzt so kommt, hätte ich mir damals nicht träumen lassen“, so der 34-Jährige, der zudem als Direktbewerber im Wahlkreis Hildesheim 7,1 Prozent erreichte. Dass die AfD nicht mehr stärkste Oppositionspartei sein wird, ärgere ihn, „weil die FDP im Wahlkampf nicht mit ihren Themen überzeugen konnte.“

Anja Schulz aus Testorf feierte ihren Einzug in den Bundestag mit Parteikollegen (hier der Kreisvorsitzende Léonard Hyfing), Freunden und Familie.

Rincks Parteikollege Thomas Ehrhorn aus Lachendorf, der als einer von acht Direktkandidaten im Wahlkreis 44 Celle-Uelzen angetreten war, holte hier 9,3 Prozent. Er zieht wie schon 2017 über die Landesliste (Platz drei) erneut in den Bundestag ein.

Einzelbewerber landet bei 0,0 Prozent

Linken-Bewerber Christoph Podstawa (2,8%) und Philip Siebold (Freie Wähler/2,2%) holten 4358 bzw. 3399 Stimmen, während mit Andrew Schlüter (Internationalistisches Bündnis) der achte Direktkandidat gerade einmal deren 54 erhielt, was einem Ergebnis von 0,0 Prozent entspricht.

SPD avanciert zur stärksten Partei

Zur stärksten Partei avancierte indes die SPD mit 30,8 Prozent der Zweitstimmen (+5,4%), während die CDU satte 10,4 Punkte und den Wahlkreis einbüßte (26,1%). Bündnis 90/Die Grünen mauserten sich mit einem Plus von 6,2 Prozent zur drittstärksten Kraft (14,0%) – vor der FDP (11,5%), die 1,3 Prozent zulegen konnte. Dagegen verlor die AfD 1,7 Punkte (9,2%). Noch mehr verlor Die Linke, die 3,0 Prozent erreichte (minus 2,8%). Im Landkreis Uelzen lag die SPD (33,3%) sogar noch deutlicher vor der CDU (25,3%), den Grünen (14,1%), der FDP (10,1%), der AfD (8,6%) und der Linken (3,1%).

Die Wahlbeteiligung im Landkreis lag gestern bei 74,3 Prozent, im gesamten Wahlkreis Celle-Uelzen bei 73,7 Prozent und damit unter dem Wert von 2017 (75,6%).

Der schwarze und der rote Balken fast gleichauf: Henning Otte (CDU) und Dirk-Ulrich Mende (SPD) trennten gestern Abend gerade einmal 866 Stimmen im Rennen um das Direktmandat.
Die SPD hat den Wahlkreis Celle-Uelzen deutlich gewonnen. Die Sozialdemokraten legten gegenüber 2017 um 5,4 auf 30,8 Prozent zu, während die CDU über zehn auf 26,1 Prozent einbüßte.

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