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Wahlkampf im Sperrgebiet

Die CDU im Landtag hat eine Diskussion um Sperrgebiete für Lovemobile ins Rollen gebracht. Ob dadurch die Wagen schließlich davonrollen werden, ist aber fraglich. Denn selbst wenn eine Sperrgebietsverordnung erlassen würde, wie andernorts in Niedersachsen, bleibt offen, ob nicht die Wagen schon nach wenigen Metern außerhalb der Sperrzone wieder zum Stehen kommen.

Dies ist anzunehmen, weil der Verkehr auf den Straßen den Ertrag in den Lovemobilen sicherstellt. Denn die käufliche Liebe ist, so heißt es vom Verein Phoenix, der eine Beratungsstelle für Prostituierte in Hannover unterhält, eine Erwerbsform. Das klingt schrecklich nüchtern für das, was die Prostituierten dabei auf sich nehmen, ist aber nun mal zutreffend.

Wegen dieser Überlegungen muss auch kritisch hinterfragt werden, ob das von der CDU-Fraktion im Landtag und den Gleichstellungsbeauftragten, die ins gleiche Horn blasen, angeführte Argument, mit Sperrgebieten ließe sich die Jugend schützen, der eigentliche Antrieb für die Diskussion ist. Zumal die Jugend im Internet und im Fernsehen immer wieder auf sexuelle Darstellungen trifft. Und: Auch bei den Akteuren muss doch schon angekommen sein, dass mit Platzverboten die Wohnwagen nicht einfach verschwinden werden.

Letztlich wäre die Diskussion damit ein lautes Poltern, mit dem – das ist sicherlich für die Christdemokraten nicht unbedeutend – wertkonservative Wähler im Bundestagswahljahr wieder hinter der CDU versammelt werden können. Sätze, wie sie in der parlamentarischen Anfrage der CDU-Fraktion zu diesem Thema zu lesen sind, verstärken den Verdacht. Dort heißt es unter anderem: „Seit der Einführung des Prostitutionsgesetzes ist das Anbieten sexueller Dienstleistungen in Deutschland grundsätzlich erlaubt. Andere Länder wie Schweden haben hingegen die Rechtslage stark verschärft und das Anbieten und das Annehmen von gewerblicher sexueller Dienstleistungen unter Strafe gestellt“. Überflüssig ist, zu erwähnen, dass das besagte Gesetz 2002 unter Rot-Grün verabschiedet wurde. Das Ärgerliche an der Debatte ist, dass sie viel zu kurz greift für ein so sensibles Thema wie käufliche Sexualität. Wünschenswert wäre es deshalb, wenn durch den Vorstoß zu den Sperrgebieten eine grundlegende Auseinandersetzung mit der Thematik ins Rollen kommen würde.

norman.reuter@az-online.de

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