In der Uelzener SPD ist man verärgert über den Termin für die Kür des Ministerpräsident-Kandidaten

Wählen, wenn der Castor rollt

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Uelzen. Gestern Abend startete die niedersächsische SPD in Lüneburg ihren Mitgliederentscheid über den Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten mit der ersten von sieben Regionalkonferenzen.

Während sich die Bewerber Olaf Lies und Stephan Weil zum ersten Mal der Öffentlichkeit vorstellten, rumort es im SPD-Unterbezirk (UB) Uelzen/Lüchow-Dannenberg. Denn abstimmen über den neuen Kandidaten darf nur, wer am 27. November persönlich zur Wahl erscheint – ausgerechnet an jenem Tag, an dem der nächste Castortransport im Wendland erwartet wird.

Stephan Weil ist Hannovers Oberbürgermeister. Foto: Privat

„Die Terminwahl wurde, vorsichtig formuliert, von vielen als unglücklich empfunden“, sagt Uwe Holst. Der stellvertretende Vorsitzende des SPD-Ortsverbandes Uelzen und des Unterbezirks organisiert für Uelzen die Abstimmung, die landesweit am letzten Sonntag im November stattfinden soll. „Viele unserer Mitglieder gerade aus dem Wendland, aber auch aus dem Kreis Uelzen wollen an diesem Tag gegen den Castor protestieren“, schildert Holst. Und auch viele Polizisten in der Region seien SPD-Mitglieder. „Die können nicht zur Wahlurne kommen, weil sie wegen des Atommülltransportes tagelang im Dauerdienst sind“, weiß der stellvertretende Vorsitzende.

Olaf Lies ist SPD-Landesvorsitzender. Foto: Kamin

Jedes niedersächsische SPD-Mitglied darf an der Wahl teilnehmen, welcher Sozialdemokrat am 20. Januar 2013 der Herausforderer von Ministerpräsident David McAllister (CDU) sein soll. Bedingung: Man muss persönlich zur Stimmenabgabe erscheinen, eine Briefwahl ist nicht möglich. „Wir werden im Uelzener SPD-Haus ein Wahllokal einrichten, in dem man voraussichtlich in einem Zeitfenster von sechs Stunden seine Stimme abgeben kann“, sagt Holst. Die Ortsvereine im Landkreis würden eigene Abstimmungen durchführen, „das dezentral zu machen, halten wir für sinnvoll“, so der stellvertretende UB-Vorsitzende. Alle Mitglieder seien bereits im Vorfeld über die Werdegänge und die Motivation der beiden Kandidaten informiert worden.

Einen Tipp, wer das Rennen macht, mag Holst noch nicht abgeben. Der Vorsitzende der Uelzener SPD-Kreistagsfraktion, Jacques Voigtländer, sieht Stephan Weil in der Favoritenrolle: „Er hat hinreichend Verbindungen in die Bundes- und Landespolitik und kommt aus dem größten Bezirk Hannover.“

Von Thomas Mitzlaff

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