Der Vorwurf lautet Totschlag

Tödliche Messerattacke am ZOB in Uelzen: Staatsanwaltschaft erhebt Anklage

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Nach der Messerattacke waren am Uelzener ZOB Blumen und Kerzen zu entdecken, die auf das Schicksal des 27-Jährigen hinweisen sollten.

Uelzen/Lüneburg – Nach dem Tod eines 27-Jährigen, der im Oktober seinen Verletzungen durch eine Messerattacke am Uelzener ZOB erlag, hat die Staatsanwaltschaft in Lüneburg nun Anklage erhoben.

Ein 37-Jähriger, der im Verdacht steht, auf den Mann eingestochen zu haben, soll sich wegen „vollendeten Totschlags“ vor Gericht verantworten. Zudem wird ihm ein „Verstoß gegen das Waffengesetz“ vorgeworfen.

Ein Streit um ein mutmaßlich gestohlenes Fahrrad eskalierte am späten Abend des 12. Oktober. Im Verlauf des Streits wurde der 27-Jährige durch mehrere Messerstiche schwerst verletzt. Er starb wenige Tage später im Krankenhaus. Zum Einsatz soll ein Butterfly-Messer gekommen sein, das nach aktueller Gesetzeslage nicht mitgeführt werden darf, was die Anklage zum Verstoß gegen das Waffengesetz erklärt.

Kommt es zu einer Verurteilung, so werde sicherlich der Vorwurf des „vollendeten Totschlags“ entscheidend für die Höhe des Strafmaßes sein, sagte ein Sprecher des Landgerichts in Lüneburg. Der Paragraf 212 des Strafgesetzbuches sieht bei Totschlag eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren vor. In besonders schweren Fällen kann auch eine lebenslange Freiheitsstrafe ausgesprochen werden. Bei den Ermittlungen zur Messerattacke wurde auch geprüft, ob womöglich Mordmerkmale vorliegen. Davon war nun nicht mehr die Rede.

Sowohl das Opfer als auch der mutmaßliche Täter waren für die Polizei keine Unbekannten. Laut Staatsanwaltschaft stammen die Vorstrafen des 37-Jährigen nicht aus dem Bereich der Gewaltdelikte. Der Mann soll sich öfter am Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB) aufgehalten haben. Der Bereich vor dem Ausgang des Bahnhofstunnels und der angrenzende ZOB sind Treffpunkt für Menschen mit Alkohol- und Suchterkrankungen. In der Vergangenheit hat es am ZOB bereits mehrfach körperliche Auseinandersetzungen unter jenen Männern und Frauen gegeben, die den Bereich für sich als Treffpunkt auserkoren haben. Die Polizei zeigt dort Präsenz.

Zuständig für einen Prozess in Sachen Messerattacke ist das Landgericht in Lüneburg. Eine Entscheidung, ob die Anklage zugelassen wird, steht nach Angaben des Gerichtssprechers noch aus. Damit gibt es auch noch keinen Verhandlungstermin. Der mutmaßliche Täter sitzt zurzeit in Untersuchungshaft.

VON NORMAN REUTER

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