Variete am Silvesterabend im Theater an der Ilmenau in Uelzen

Vorhang auf! Spot an!

Die Bälle flogen auf der Bühne auch in die Lüfte.

Uelzen. „Vorhang auf, alle Lichter auf die Szene. / Vorhang auf, nachher komm viel schön‘re Beene,/ Vorhang auf und Kompliment dem hoch verehrten Publikum!“ So heißt es in einem Chanson von Jürgen Walter, in dem der das Variete besingt.

In dem er hofft, dass der Funke überspringen möge, weil hinter der Bühne das Lampenfieber „jeden Abend gegen achte“ steigt. „Kommt in buntestem Gefieder, jetzt geht‘s los, wir spielen wieder!“.

Stephan Masur hatte zu seinem Variete, der siebten Produktion der bunten Truppe aus Köln, eingeladen; und das Theater an der Ilmenau war am Silvesterabend nahezu ausverkauft. Nachdem man sich in den zehn Jahren zuvor durch alle Operetten der einschlägigen Literatur sang – in diesem Jahr nun die „wunderbare Nebensache,/ Spaß und Tricks und Sensationen tausendfache“, wie es im Lied weiter heißt. Variete also: Dies Charivari zwischen Zirkus, Theater und Revue. Bei Masur hieß das, spürte man der Wortbedeutung von Charivari nach, keineswegs Durcheinander oder Wirrwarr und schon gar nicht Katzenmusik.

Als Entree gab‘s ein paar Takte „Feuerwerksmusik“; schließlich stand der Jahreswechsel vor der Tür. Dann betritt der Ideengeber die Bühne. Als moderierender Le Comte, der mit einem Flüstern seine Lakaien – natürlich aus dem Publikum – zu dirigieren weiß. Obendrein ist er ein Jongleur, der nach Vivaldis „Jahreszeiten“ seine Bälle wirbelt. Später wird er den Takt mit einer Art Springseil von Tschaikowsky und Dvorák zu schlagen wissen und Schattenspiele nach Griegs „Peer Gynt“-Suite vollführen.

Die Schau kommt ohne Flitter und grelle Effekte aus. Leises Licht zwischen Weiß, Blau und Rot und eine dramaturgisch wie taktgenau eingesetzte Musik bestimmen den Ablauf. Kein schriller, Schenkel klopfender Humor, sondern der aus der Schmunzelecke. Die Hochleistungsartistik ist nicht die der chinesischen Art, in der die Anstrengung vibriert, sondern eine des Lachens und Staunens. Wie sich da einer an der Straßenbahnwaggon- Halteschlaufe in seine artistische Nummer träumt, daraus Akrobatik entwickelt und beim vermeintlichen Halt des Nahverkehrsmittels verblüfft steht und abgeht – das ist sehenswert. Der Dirigent, der den überdimensionierten Hula-Reifen als Rhönrad nutzt – atemberaubend, wie er sich dabei nicht die Finger quetscht!

Schwerelos und einfach nur ästhetisch der „Swann“-Dance. Aufregend die Jonglage – mit wie viel Bällen eigentlich? Gerrit Herricks (glaubt man dem Internet, ein Programm gab es nicht) sorgte für die vokalen Darbietungen. Der Sänger ist sehr jung und hat eine verwechselbare, musicalkompatible Stimme; setzte aber Kontrastpunkte mit den Liedern.

Der Funke sollte beim Publikum in fast drei Stunden übergesprungen sein, auch wenn es in diesem Jahr in Uelzen keinen laut walzerseliger Beginn als Begleitung des Jahres-Count-Downs gab.

Von Barbara Kaiser

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