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Vorbereitung auf ein Leben nach der Haft in der JVA Uelzen

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Von: Theresa Brand

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Gefangener JVA Uelzen in der Schlosserei
Ein Gefangener arbeitet an einem Feuerkorb in der Schlosserei der JVA Uelzen. © Brand, Theresa

In der JVA Uelzen sitzen die Gefangenen ihre Haftstrafe nicht einfach nur ab. Hinter den hohen Mauern und den vergitterten Fenstern arbeiten die Insassen in unterschiedlichen Bereichen, um sich auf ein Leben in der Arbeitswelt nach der Zeit im Gefängnis vorzubereiten.

Uelzen – Sie schweißen Feuerkörbe zusammen, nähen Stoffbezüge oder sortieren Schrauben in kleine Kartons: Die Gefangenen der JVA Uelzen gehen in verschiedenen Arbeitsbereichen Tätigkeiten nach, die je nach Können und mentalem Zustand für sie machbar sind. Damit verdienen sie zum einen etwas Geld, das zum Großteil für die erste Zeit nach der Haft als sogenanntes Überbrückungsgeld ausgezahlt wird. Zum anderen lernen viele von ihnen so überhaupt erst, einem geregelten Tagesablauf nachzugehen.

„Wir müssen die Menschen da abholen, wo sie stehen“, erklärt Werkdienstleiter Kai-Oliver Latzko. Für einige Insassen sei es schon eine Hürde, morgens pünktlich zur Arbeit zu erscheinen – und dann auch dort zu bleiben und sich an Strukturen anzupassen. „Manche haben das einfach nie gelernt“, erzählt er. Ob durch Drogenkonsum, familiäre Hintergründe oder psychische Erkrankungen: Die Gründe sind vielfältig.

Insgesamt 250 Arbeitsplätze gibt es in der JVA für die Gefangenen, wie Jannik Grauer, Fachbereichsleiter für Arbeit und Produktion, berichtet. Drei externe Unternehmen, die mit der Anstalt kooperieren, liefern beispielsweise Textilien oder Kartonteile, die dann im Auftrag der Firma von den Häftlingen verarbeitet werden. Die JVA selbst verfügt über eine eigene Schlosserei, in der zum Beispiel Feuerschalen, Smoker oder Gartenfackeln hergestellt und verkauft werden. Auch in der Küche, für die Reinigung und die Pflege der Außenanlagen werden die Häftlinge eingesetzt.

Latzko erklärt, dass nach etwa zwei Wochen mit den Gefangenen überlegt wird, welche Fähigkeiten schon vorhanden sind und welche Ziele es vielleicht gibt. „Wenn jemand schon mal mit einer Nähmaschine gearbeitet hat, ist es natürlich sinnvoll, ihn der Näherei zuzuweisen“, erklärt der Werkdienstleiter. Wichtig sei hier, den Insassen aufzuzeigen, dass sich die Mitarbeit lohne. „Das ist ein Lernfaktor für später“, sagt er.

Grauer erläutert, dass neben der beruflichen auch eine soziale Komponente hineinspielt: „Bei guter Zusammenarbeit mit dem Personal kann man sich besser einbringen.“ Denn auch in der JVA gibt es so etwas wie Vorarbeiter oder Jobs, die beliebter sind als andere. In der Schlosserei beispielsweise ist die Arbeit anspruchsvoller und eigenständiger als in den anderen Bereichen. Hier darf nur arbeiten, wer sich vorher bewiesen hat, erklärt Oliver Latzko. Schließlich kommen dort Maschinen wie Schweißgeräte und Flex zum Einsatz. Er sagt: „In der Schlosserei könnte man viel fertigen, was nicht erlaubt ist. Die Sicherheit steht immer an erster Stelle – für uns und die anderen.“ Aus diesem Grund wird am Ende jeden Arbeitstages geprüft, ob alle Materialien und Werkzeuge auch vollzählig sind.

Doch für manche Insassen sind selbst einfache Tätigkeiten zu schwierig, berichtet Latzko: „Wenn wir hier sehen, da ist jemand maßlos überfordert, dann müssen wir einen Schritt zurückgehen und etwas finden, auf das er Lust hat und am Ende merkt, dass es besser ist, dort zu arbeiten.“ Für diese Menschen gibt es in der JVA zehn Plätze in der Arbeitstherapie, in der sie angeleitet werden.

Hier können die Gefangenen mit Holz arbeiten und auch eigene Projekte umsetzen. Dort entstand etwa das Fachwerkhaus mit Reetdach im Miniaturformat, das im Museumsdorf Hösseringen ausgestellt ist (AZ berichtete). Für das Handwerksmuseum Suhlendorf baute ein Gefangener das Modell einer Windmühle. Noch in diesem Jahr ist dort eine Sonderausstellung mit Werken aus der JVA geplant.

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