Finale des Adventskalenders kommt als Live-Übertragung

Fels in der Corona-Brandung: Virtueller Weihnachtszauber in Uelzens St. Marien-Kirche

Pastorin Iris Junge sowie Vivian Jessen und Alexander Hass (von links) werden von einer der drei Kameras in St. Marien samt der Engel in Szene gesetzt. fotos (5): huchthausen
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Pastorin Iris Junge sowie Vivian Jessen und Alexander Hass (von links) werden von einer der drei Kameras in St. Marien samt der Engel in Szene gesetzt.
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Uelzen – Nein, das ist nicht der typische 23. Dezember, wie die Hansestadt ihn kennt. Kurz vor 17 Uhr sind die Straßen in Uelzen am Mittwochabend fast menschenleer. Es regnet in die Dunkelheit hinein und ist kalt.

Wo sonst tausende Menschen zum Weihnachtszauber am Alten Rathaus strömen, ist in diesem Jahr die altehrwürdige St. Marien-Kirche der Fels in der Corona-Brandung.

Im Altarraum stehen vier Weihnachtsbäume, rotes Licht sorgt im Gotteshaus für eine einzigartige Atmosphäre. Von drinnen dringt Lichtschein durch die Fenster auf den nassen Asphalt. Und plötzlich ertönt das „Alle Jahre wieder“. Das Bläser-Quintett unter der Leitung von Thorsten Fey mit zwei Flügelhörnern, Bariton- und Tenorhorn sowie Tuba eröffnet pünktlich das Finale des Adventskalenders mit einem echten Klassiker.

Weihnachtliche Klänge kamen vom Quintett um Thorsten Fey (nicht im Bild).

Im Internet (www.uelzen-live.de) wird der feierliche Schlussakkord des „Kleinen mobilen Adventskalenders“ unter dem Motto „Gemeinsam für Uelzen 2020“ live übertragen. In der Spitze sind bis zu 900 Zuschauer gleichzeitig dabei – eine Resonanz, die alle Erwartungen übertrifft. Vivian Jessen und Alexander Hass vom Stadtmarketing Uelzen schlüpfen in die Rolle der Moderatoren. Sie führen charmant fast zweieinhalb Stunden lang durch die Mischung aus vorproduzierten Filmbeiträgen und „echter“ Live-Sendung.

Drei Kameras liefern die Bilder, 50 Meter entfernt im Regieraum sitzt der Rest des zehnköpfigen Teams der Uelzener Filmemacher von CFT Productions um Produktionsleiter Timon Kraaz. Am Vortag haben sie einen Kilometer Kabel für Internetübertragung, Licht und Ton verlegt, alles getestet und den Ablauf im Detail besprochen.

Blick in den Regieraum von St. Marien: Hier liefen alle technischen Fäden von CFT Productions zusammen.

Live im Bild sind neben Bläsern und Moderatoren vor allem die Engel, die so sehr zum Uelzener Adventskalender gehören: Xenia, Lia und Lina-Marie. Und immer wieder zu sehen – und vor allem zu hören: das vierköpfige Ensemble „Canta Corona“, das unter der Leitung von Vollblut-Chorleiter Mathias Wegener vom Adventspsalm „Hoch tut euch auf“ über das schwedische „Jul, jul“ bis hin zu „Süßer die Glocken nie klingen“ Vorfreude auf Weihnachten entfacht.

Jürgen Markwardt las „seine“ Weihnachtsgeschichte.

Den musikalischen Reigen komplettieren Erik Matz und Ricardo Marinello – allerdings nicht live in St. Marien. Organist Matz präsentiert im Einspieler auf „seiner“ Orgel eine Choralimprovisation auf „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Tenor Marinello grüßt die Uelzener im Video und singt das „Ave Maria“ von Schubert. Mit Iryna Chaplin zaubert eine der weltbesten Sandmalerinnen Motive aus der Hansestadt auf die Bildschirme – nicht zuletzt „Santa Uelzen“. Der hat die große Laterne aus seiner Zweigstelle in Uelzen gerne zur Verfügung gestellt, damit die Internet-Zuschauer beim Gewinnspiel mitmachen können. Wie viele Weihnachtskugeln stecken nur darin? Probst Jörg Hagen und Pastorin Iris Junge, die Gastgeber in St. Marien, schätzen, dass es passend zum Stadtgeburtstag deren 750 sind – eine gewiss übertriebene Schätzung. Oder?

Das Ensemble „Canta Corona“ sang unter der Leitung von Mathias Wegener.

Auch Bürgermeister Jürgen Markwardt ist live dabei. Er liest die Geschichte „Der ganz besondere Weihnachtsbaum“ vor – selbst verfasst als Ode an die eigene Kindheit in den 1970ern. Gemeinsam würdigen der erste Bürger und das Stadtmarketing das Wir-Gefühl in der Stadt, die Sponsoring- und Spendenbereitschaft in einer schweren Zeit. Passend dazu kann Vivian Jessen verkünden, dass seit Oktober 100 000 Euro in Stadtgutscheine investiert wurden – eine imposante Summe.

Tee, Kaffee, Wasser und vor allem warme Kleidung spielen hinter den Kulissen eine große Rolle. Auf einem großen Aufsteller hängt der Ablaufplan, damit jeder weiß, wann es wie weitergeht. Um 19.20 Uhr ist der Live-Stream nach dem großen Finale zu „O du fröhliche“ gelaufen. Es hat alles prima geklappt – vor St. Marien ist es noch immer dunkel und menschenleer. Aber es regnet nicht mehr. Die virtuelle Einstimmung auf die Feiertage in der Hansestadt war aller Ehren wert.

Frohe Weihnachten.

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