Hackerschutz: Jeder Anhang wird geöffnet

Virtueller Testraum bewahrt Uelzen und Landkreis vor Angriffen

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Andreas Hense (stehend) zeigt eine Arbeitsplatzinsel: 46 Informatiker beschützen beim IT-Verbund Uelzen die Verwaltungen vor Hackerangriffen.

Uelzen – Andreas Hense hat einen neuen Lieblingsraum, keinen echten, einen virtuellen. In diesem werden sämtliche E-Mails, die an über 2700 Arbeitsplätzen der Behörden von Stadt und Kreis Uelzen ankommen, gecheckt.

"Auf dem separat gekapselten Server können wir der Mail vorspielen, dass sie geöffnet wird und dann sehen wir, ob sie gefährlich sein könnte“, erklärt der Vorstand des IT-Verbundes Uelzen.

Egal ob Trojaner oder andere schadhafte E-Mail-Anhänge, alles wird zunächst in dem virtuellen Raum auf Herz und Nieren geprüft und erst danach kann der E-Mail-Empfänger die Mail sehen. „Sollte etwas auch nur ansatzweise gefährlich sein, schlägt das System Alarm“, so Hense weiter. Im Zweifel rauche dann eben der Server, der der E-Mail quasi vorgaukelt, dass sie normal geöffnet wurde, ab. „Einen Server kann man schnell ersetzen und der Schaden ist kalkulierbar“, sagt Hense. Im Gegensatz zu geklauten sensiblen Daten oder Dateien der Behörden oder einem zerstörten Verwaltungs-Server sicher die bessere Wahl.

Das Ganze geschieht so schnell, das der E-Mail-Empfänger gar nichts davon mitbekommt. Diese Vorgehensweise ist, laut Hense, der derzeit bestmögliche Schutz für eine digitale Verwaltung wie die der Hansestadt und des Landkreises.

„Jeder Behördenmitarbeiter hat an seinem Arbeitsplatz lediglich Maus, Bildschirm und Tastatur – sämtliche Daten werden ausschließlich auf den Servern abgelegt und verarbeitet“, erklärt Hense.

Auch müsse zu keinem Zeitpunkt ein IT-Techniker in die Büros der Verwaltung kommen. „Wir erledigen alle Updates und anfallenden Reparaturen von unserem Rechenzentrum aus,“ erklärt Hense. Hier beschützen 46 Informatiker die rund 1200 Verwaltungsangestellten vor möglichen Hackerangriffen.

Darüber hinaus werden alle mobile Geräte – Smartphones und Laptops – von den Mitarbeitern des IT-Verbundes eingerichtet. Auch das Handy von Bürgermeister Jürgen Markwardt war schon mal hier: „Da mussten wir beispielsweise eine Sperre zwischen WhatsApp und anderen Anwendungen einrichten, denn sonst wären alle darauf befindlichen Daten leicht zu hacken gewesen.“

VON ROBIN VOGT

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