Rohkost statt Medikament?

Vierjährige stirbt: Eltern reduzierten Insulin

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Auf der Anklagebank sitzen von rechts: Angeklagte Antje B. mit ihrem Verteidiger Matthias Macht und der Angeklagte Baldur B. mit Verteidiger Christian Wöhlke.

Uelzen/Hannover. Vor dem Landgericht Hannover hat am Dientag der Prozess gegen Antje und Baldur B. begonnen. Sie sollen versucht haben, ihre an Diabetes erkrankte Tochter Sieghild vom Insulin zu entwöhnen und ihr stattdessen Rohkost verabreicht haben.

Die Vierjährige wurde am Heiligabend 2009 mit Atemstillstand ins Krankenhaus Uelzen eingeliefert, sie starb noch in derselben Nacht in der Medzinischen Hochschule Hannover.

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Die Familie wohnte damals im Kreis Uelzen. "Heute sehen wir es als falsch, dass wir kaum Kontakt zu Ärzten hatten", sagte die 32-jährige Mutter. Die Familie hat vier Kinder, damals war keines geimpft, einen festen Kinderarzt gibt es nicht. Heute wohnt die Familie in der Altmark. Es habe eine Reihe von Missverständnissen bei der Behandlung der Diabetes gegeben, erklärte die Mutter heute vor Gericht. Der Vorsitzende Richter verwies darauf, dass ein Uelzener Arzt das Jugendamt eingeschaltet hatte: "Da muss doch mehr gewesen sein als ein Missverständnis."

Die Eltern des gestorbenen Mädchens sollen laut Medienberichten einen rechtsextremen Hintergrund haben.

Einen rechtsradikalen Hintergrund als Anlass für den Umzug mit anderen Familien auf ein einsames Gehöft in der Altmark wiesen beide zurück, Baldur B. räumte aber ein, Mitglied in der neonazistischen Wiking-Jugend gewesen zu sein; seine Frau war Mitglied in der als rechtsradikal eingestuften Artgemeinschaft, die bis 2009 von Jürgen Rieger geleitet wurde.

Von Thomas Mitzlaff

Einen umfassenden Artikel zum Prozess lesen Sie am Mittwoch im E-Paper und in der Printausgabe der AZ.

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