Kultur-Manifest stößt im Uelzener Stadtrat auf Kritik / Appell an die Toleranz

Vielfältig wie die Nachfrage

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Was ist unter kulturellem Anspruch zu verstehen? Im Stadtrat wurde gefordert, tolerant mit dem Begriff Kultur umzugehen, dazu würden das Neue Schauspielhaus und der Breakdance Battle ebenso gehören wie Schloss-Konzerte und der Grönemeyer-Auftritt.

Uelzen. „Bezogen auf die anstehenden Zuschüsse im Haushalt erwarte ich den respektvollen Umgang mit fremdem Geld. Dies vermisse ich bei der Verfasserin des Manifestes.

“ Und damit meint Susanne Niebuhr von „WIR für Uelzen“ die Geschäftsführerin der Holdenstedter Schlosswochen, Ute Lange-Brachmann. Susanne Niebuhr hat ihrem Ärger über das Manifest von Uelzener Kulturschaffenden bei der Sitzung des Stadtrates im Rathaus am Montagabend Luft gemacht. „Ich selbst bin als Kulturschaffende in der glücklichen Lage, ohne Zuschüsse auskommen zu können“, erklärte sie, „dieses erwarte ich nicht von anderen Kulturschaffenden, denn es ist in den meisten Fällen unmöglich. “ Sie appellierte an einen vernünftigen Umgang mit öffentlichen Zuschüssen. Und: „Ich vermisse Toleranz vor dem unterschiedlichen Kulturempfinden der anderen. Ob Mozart, eine Session des AKKU, Bach, ein Grönemeyer-Konzert – dies ist nur eine kleine Auswahl einer Kultursparte, zeigt aber die möglichen Unterschiede auf – alles hat seinen Reiz und Wert. “.

In einem Manifest hatten 80 Unterzeichner gemeinsam mit Ute Lange-Brachmann Kritik an Sparmaßnahmen im Kulturbereich geübt und Ratsmitgliedern mangelndes Interesse an „Veranstaltungen, die einen gewissen kulturellen Anspruch haben“, vorgeworfen (AZ berichtete). Ähnlich wie Niebuhr haben am Montagabend auch Vertreter anderer Parteien reagiert. „Ich war irritiert, weil ich den Eindruck habe, dass es Menschen gibt, die meinen, sie haben die alleinige Definitionsmacht darüber, was kultureller Anspruch ist“, schilderte Ariane Schmäschke von den Grünen. „Das Kulturangebot ist genauso vielfältig wie die aktuelle Nachfrage.“

Mit dem Kuhlau-Wettbewerb, dem Theater und dem Film-Wettbewerb zählte CDU-Fraktionsvorsitzender Stefan Hüdepohl Beispiele für die Vergabe von finanziellen Mitteln auf. „Wir hätten das alles kippen können, alles“, betonte er. Lediglich die Holdenstedter Schlosswochen würden unter den Sparmaßnahmen leiden. „Ich glaube, dass wir alle damit leben können.“ Zudem wies er darauf hin, dass ein Ratsmitglied das Manifest unterschrieben habe, das ebenso an den Haushaltsgesprächen beteiligt war. Dieser angesprochene Unterzeichner, SPD-Ratsherr Jörg Kramer, der bei der Sitzung am Montagabend nicht anwesend war, habe dem Zukunftsvertrag zugestimmt, weil die Entschuldung notwendig sei, sagt er auf AZ-Nachfrage. So habe er im Rahmen des Zukunftsvertrags zum Beispiel auch der Abgabe der weiterführenden Schulen an den Landkreis zustimmen müssen, obwohl er dagegen gewesen sei. „Irgendwann hat man den Punkt erreicht, wo vieles darnieder geht“, fürchtet er. Im kulturellen Bereich handle es sich um relativ geringe Kürzungen, „aber man muss ein klares Zeichen setzen“.

Karin Mühlenberg (SPD), Vorsitzende des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, Kultur und Tourismus, bedauert, dass es durch Zusammenlegung mehrerer Gremien keinen eigenständigen Kulturausschuss mehr gibt. Im ehemaligen Kulturausschuss hätten neben Ratsmitgliedern vier beratende Personen gesessen, nun sei nur noch ein beratendes Mitglied mit kulturellem Hintergrund einbezogen. „Da ist es natürlich schwieriger, die Kultur nicht zu kurz kommen zu lassen, aber wir bemühen uns, der Kultur in Uelzen den ihr gehörigen wichtigen Stellenwert zu geben.“

Von Diane Baatani

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