Auch im Kreis Uelzen stellt sich die Frage, was die Schule dagegen tun kann

Viele Kinder sind Nichtschwimmer

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Sportlehrer beklagen, dass manche Kinder noch kein Schwimmbad von innen gesehen haben.

Uelzen/Landkreis. Jeder sechste Grundschüler in Deutschland kann nicht schwimmen. Das ergab die aktuelle Studie des Robert-Koch-Instituts zur Kindergesundheit (KiGGS).

Auch im Kreis Uelzen können immer weniger Kinder schwimmen: „Wir haben bereits vor einigen Jahren festgestellt, dass die Schwimmfähigkeit von Kindern, aber auch Erwachsenen stark nachgelassen hat“, berichtet Holger Hasper, Leiter des Badue in Uelzen. Das spiegele sich allerdings nicht in den Besucherzahlen wider – ein Rückgang sei dort nicht zu beobachten, so Hasper.

Dörthe Reinhold, Schulleiterin der Sternschule, stellt die abnehmende Schwimmfähigkeit ebenfalls fest: „Sportlehrer beklagen zunehmend, dass Schüler kein Seepferdchen haben oder noch kein Schwimmbad von innen gesehen haben“, sagt sie. Wie Dietmar Schulz von der Ortsgruppe der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) Uelzen erklärt, wird erst bei einem Bronze-Abzeichen von Schwimmfähigkeit gesprochen. Um das Abzeichen zu erlangen, müssen unter anderem 200 Meter in höchstens 15 Minuten zurückgelegt werden. Seiner Erfahrung nach würden das zumindest in der dritten Klasse viele Schüler heute nicht mehr schaffen.

„Es stellt sich die Frage, was Schwimmunterricht leisten soll“, gibt Artur Fuchs, Sportlehrer an der Grundschule Molzen zu Bedenken, der in der dritten Klasse Schwimm- unterricht erteilt. Als 19 Kinder am Schwimmunterricht teilnahmen, verfügten vier am Ende nicht über ein Bronze-Abzeichen – knapp jeder Fünfte war damit nicht schwimmfähig. Dass Kinder schwimmen lernten, sei hauptsächlich auf das Engagement der Eltern zurückzuführen. „Wenn keine Vorkenntnisse vorhanden sind, ist es für uns äußerst schwierig“, meint Fuchs und fügt hinzu: „Wunder kann man nicht erwarten.“ Möglich sei der Schwimmunterricht an seiner Schule mit ihm als einzigem Sportlehrer nur durch einen Bademeister als zweite Aufsichtsperson, zumal er selbst über keinen Rettungsschein verfüge. Eine weitere Hürde stellt laut Fuchs der zeitliche Faktor dar – die Grundschüler fahren mit dem Bus ins Badue, müssen sich vor und nach dem Schwimmen umziehen. 40 Minuten verbringe die Klasse bei einer Doppelstunde im Wasser, „wenn ich optimistisch bin“, so Fuchs.

An der Grundschule Ebstorf wird auf das Problem bereits mit einer Schwimm-AG in der zweiten Klasse und einem Schwimmunterricht für schwächere Schwimmer in der vierten Klasse reagiert. So habe es zum Beispiel in den vierten Klassen im letzten Halbjahr von 76 befragten Schülern 13 Nichtschwimmer und 20 mit Seepferdchen-Abzeichen gegeben. Etwa jeder Zweite war damit nicht schwimmfähig. „Ende der vierten Klasse sollten die Schüler schwimmfähig sein“, erklärt Sportlehrerin Birte Schröder das Ziel der AG, „das gelingt uns damit sehr gut.“

Von Sophie Borm

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