Niedersächsische Musiktage bringen das Artemis-Quartett nach Uelzen

Mit viel Ausdruck und Gefühl

Der Beifall für das Artemis-Quartett wollte nicht enden. Erst nach mehrmaligen Verbeugungen konnten die vier Streicher ihre Zugabe, das „Scherzo“ aus Schuberts „Quartett Nr. 3 B-Dur, präsentieren. Foto: frels
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Der Beifall für das Artemis-Quartett wollte nicht enden. Erst nach mehrmaligen Verbeugungen konnten die vier Streicher ihre Zugabe, das „Scherzo“ aus Schuberts „Quartett Nr. 3 B-Dur, präsentieren. Foto: frels

Uelzen – Ja, warum eigentlich nicht? Warum sollte man nicht auch in einem Konzert klatschen dürfen, wenn die Begeisterung für das soeben Gehörte schier überschwappt? So geschehen am Dienstag beim Konzert des Artemis-Quartetts im Ratssaal.

Tschaikowsky gab es, das Streichquartett Nr. 2, F-Dur. Das, was Vineta Sareika (Violine), Suyoen Kim (Violine), Harriet Krijgh (Cello) und Gregor Sigl (Viola) boten, kam ausnahmslos gut an bei allen, die dem Konzert im fast voll besetzten Saal folgten. Der Beifall am Ende des angeblich von Tschaikowsky in nur einer Nacht komponierten Stückes zeigte das.

Das Artemis-Quartett ist eines der international bedeutendsten Streichquartette, und so freute sich Matthias Ziegeler, der in Vertretung des Sparkassen-Vorstandsvorsitzenden Dirk Köhler die Begrüßungsrede hielt, darüber, dass es der niedersächsischen Sparkassenstiftung gelungen ist, dieses Ensemble im Rahmen der Musiktage nach Uelzen zu holen. Die Hansestadt ist damit einer von 35 Orten in ganz Niedersachsen, an denen es solche hochkarätigen Veranstaltungen gibt.

„Mut“ lautet das Thema der Musiktage. Und Mut gehörte auch dazu, das Artemis-Quartett zu verändern und zu verjüngen. In der jetzigen Besetzung spielt das 1989 in Lübeck gegründete Quartett noch nicht lange – von den Gründungsmitgliedern ist im Jubiläumsjahr seit dem Ausscheiden von Eckard Runge keiner mehr dabei. Für ihn kam die niederländische Cellistin Harriet Krijgh, und die in Münster geborene Suyoen Kim spielt jetzt im Wechsel mit der Lettin Vineta Sareika die erste Geige. Doch dieser „Umbau“ des Teams kann nur positiv betrachtet werden. Artemis, so hieß der Bogen der griechischen Jagdgöttin, und es war eine Wonne zu erleben, in welch stimmigem Zusammenspiel die vier ihre Bogen führten.

Die Dreiviertelstunde mit Tschaikowskys Streichquartett Nr. 2 verging wie im Fluge. Begann es auch etwas düster, so gewann das Stück zunehmend an Helligkeit. Suyoen Kim glänzte als Primaria. Insbesondere das solo-beklatschte Scherzo mit seinen elegant-leicht daherschwebenden Walzerklängen war ein Ohrenschmaus.

Nach der Pause dann Franz Schuberts „Streichquartett d-Moll, D 810“, das auch den Untertitel „Der Tod und das Mädchen“trägt. Ist auch das sich in unterschiedlichen Variationen wiederholende Hauptthema in Moll gehalten, so ergänzen die in Dur gesetzten süßlich-zarten Seitenstränge das Ganze.

In wunderbar sanfter Harmonie gleiten die leisen Passagen dahin, werden dann unvermittelt ab- und aufgebrochen durch das mit weitausholenden, kräftigen Bogenstrichen ausgeführte Hauptthema. Spannung pur.

Der Beifall am Ende fand kaum ein Ende, erst nach mehrmaligen Verbeugungen konnten die vier Streicher ihre Zugabe präsentieren: das „Scherzo“ aus Franz Schuberts „Quartett Nr. 3 B-Dur“.

VON FOLKERT FRELS

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