IM GERICHT Verfahren gegen Beschuldigte wurde mit Auflagen eingestellt

Auf Verwechslung folgt in Uelzen Schlägerei

Das Opfer P. verwechselte den Bruder von M. mit seinem verschollenen Sohn und bezog von M.s Nachbar R. Prügel. Später erhielt P. jedoch von M.s Bruder ein Stück Pizza.
+
Das Opfer P. verwechselte den Bruder von M. mit seinem verschollenen Sohn und bezog von M.s Nachbar R. Prügel. Später erhielt P. jedoch von M.s Bruder ein Stück Pizza.

Uelzen – Auf eine Verwechslung folgte eine Schlägerei, Zeugen riefen die Polizei und am Ende aßen Täter und Opfer zusammen Pizza. Das „harmonische“ Ende war der Staatsanwalt jedoch nicht ausreichend, sodass sich M. und R. vor dem Amtsgericht Uelzen als Angeklagte wegen gefährlicher Körperverletzung wiederfanden.

Richterin Dr. Claudia Hagemann stellte letztlich die Verfahren gegen die beiden Beklagten vorläufig ein.

M. bekam als Auflage, 25 gemeinnützige Arbeitsstunden bis Jahresende abzuleisten. R. muss 75 gemeinnützige Arbeitsstunden im Laufe der nächsten sechs Monate absolvieren.

Am Abend des 15. Februar 2019 wollte das Opfer P. im jüngeren Bruder von M. seinen verschollenen Sohn an der Hugo-Steinfeld-Straße in Westerweyhe erkannt haben. P. hat nach Aussagen von M. und R. vorgehabt, seinen vermeintlichen Sohn zu entführen. R. sei daraufhin auf P. losgegangen und habe ihn auf der Straße getreten und mit einer Faust geschlagen.

Beide Angeklagte sagten aus, M. habe versucht, die beiden zu trennen. Ein Zeuge sagte gestern jedoch vor Gericht, beide hätten das Opfer P. getreten und geschlagen. Dieses habe dabei teilweise am Boden gelegen. Der Zeuge und seine Frau seien dazwischengegangen und hatten die Polizei verständigt. P. war als Zeuge gestern vor Gericht geladen, aber nicht erschienen. Er hatte nach Aussage von Hagemann auch keine Strafanzeige gegen die Beklagten gestellt. M. sagte, P. habe sich bei ihm für die Verwechslung entschuldigt.

R. sei nach eigener Aussage während der Tat angetrunken gewesen. M. und R. sagten aus, der vermeintliche Sohn habe P. später ein Stück Pizza geschenkt und R. habe das Opfer nach Hause begleitet. „Wir haben uns ein paar Tage später auch in einem Supermarkt getroffen und ,Hallo‘ gesagt. Da war wieder alles okay“, so M. gestern während der Verhandlung.

Da M. zum ersten Mal vor Gericht beschuldigt wurde und als 17-Jähriger noch nicht volljährig ist, fällt seine Auflage geringer aus als die von R. Gegen ihn waren auch die bisherigen fünf Verfahren eingestellt worden. Zum angesetzten Gerichtstermin waren die Beklagten gestern nicht um 9.30 Uhr vor Gericht erschienen – ebenso wenig wie M.s gesetzliche Vertreterin. Hagemann verständigte die Polizei, die die beiden Beschuldigten zu Hause anfand. Knapp zwei Stunden nach geplantem Starttermin erschienen M. und R. im Amtsgericht. M. gab an, die Vorladung nicht gelesen zu haben.

VON TIMO HÖLSCHER

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare