Vertrauen macht Schule

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Für dieses Bild vom Projekt „Güven – Vertrauen“ mit Inal und John (rechts) gab es im Fotowettbewerb 2010 des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen den ersten Preis. Gefragt waren Bilder, die eine erfolgreiche Durchführung von Stiftungsprojekten illustrieren.

Uelzen/Hamburg. Es war eine außergewöhnliche Idee, die der ehemalige Uelzener in Hamburg umgesetzt hat, und mit der er bundesweit Erfolg hat. Güven Polat erhält zurzeit vielfach Auszeichnungen für das nach seinem Vornamen benannte Projekt. Das deutsch-türkische Mentoring „Güven – Vertrauen“ ist durch die Initiative „Aktion zusammen wachsen“ als Teil des nationalen Integrationsplans im Ressort der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Maria Böhmer, zum Projekt des Monats März 2010 ausgezeichnet worden. Nun soll es als Praxisbeispiel in einen Leitfaden aufgenommen werden. Von Diane Baatani

Die „Aktion zusammen wachsen“ wurde zur Förderung von Patenschaften zwischen Einheimischen und Migranten ins Leben gerufen. Es werden Projekte vorgestellt, die Vorbildcharakter haben. Das Mentor-Projekt von Polat, das mit der BürgerStiftung Hamburg und dem Regionalverband Türkische Gemeinde in Hamburg und Umgebung mit einer Projektmitarbeiterin und einer Kulturmittlerin ins Leben gerufen wurde, richtet sich an Fünf- und bis Zwölfjährige mit türkischem Migrationshintergrund und an deutschsprachige Erwachsene. Durch gemeinsame Freizeitgestaltung der so genannten Mentee-Kinder und ehrenamtlichen Mentoren aus Hamburg sollen Brücken zwischen den Kulturen gebaut und die Chancen der Kinder auf eine erfolgreiche Schulkarriere erhöht werden.

Im November 2008 hat die Gemeinde die erste Tandem-Gruppe ins Leben gerufen. Vor einem Jahr haben sich acht Mentorenpärchen gefunden (AZ berichtete). Mittlerweile ist die Zahl auf 22 angewachsen, zehn weitere Mentees stehen auf der Warteliste. Dass die Idee funktioniert, zeigt die Begeisterung, mit der beide Parteien dabei sind. Gerade erst beim Mentoren-Treffen hätten die Ehrenämtler besprochen, welche Ziele sie sich stecken sollen, berichtet Polat. Er misst den Erfolg daran, „dass die Mentoren es nicht nur als Aufgabe sehen, sondern sich dieser Sache auch angenommen haben und sie weitertragen werden“, erklärt der 43-Jährige. Mehrere Teilnehmer hätten berichtet, dass sie in die Familien der Mentees aufgenommen wurden mit den Worten „du bist doch meine Schwester“ und auch in privaten Angelegenheiten um Rat gefragt werden.

Mittlerweile macht das „Güven – Vertrauen“ Schule. Polat erhält Anfragen aus Düsseldorf, Duisburg, Oberhausen, Berlin, Kiel und aus verschiedenen Stadtteilen Hamburgs, ob er und sein Team ihr Knowhow teilen und sich vielleicht sogar an dem Aufbau eines Mentor-Projekts in den Orten beteiligen.

ZUM HINTERGRUND

Bei Ausflügen in den Tierpark, Eis essen oder anderen Unternehmungen kann die Tandem-Gruppe sich austauschen und oftmals entwickeln Mentoren und Mentees dadurch eine Menge „Güven – Vertrauen“. Ein- bis zweimal pro Woche treffen sie sich. Die Kinder erhalten von ihren Paten Aufmerksamkeit, erwerben allgemeinbildende und kulturelle Grundkenntnisse und werden in ihrer Persönlichkeitsentwicklung unterstützt. Ganz nebenbei verbessern sie ihre Deutschkenntnisse. Auch die Mentoren oder „Abi ve Abla – Großer Bruder/Große Schwester“, wie es im Türkischen heißt, lernen hinzu. Sie setzen sich mit der türkischen Kultur auseinander und erhalten Einblick in den Alltag von Migranten. Güven Polat hat seine eigenen Erfahrungen umgesetzt. Als Sohn türkischer Gastarbeiter erlebte er in Uelzen seine Vermieter als Mentoren. Sie unternahmen mit ihm Ausflüge und brachten ihm auf diese Weise ganz nebenbei auch die deutsche Sprache näher. Mehr Informationen dazu gibt es auf der Internetseite

http://www.gueven-vertrauen.de.

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