IM GERICHT: Landwirt muss zahlen

Verstoß gegen Tierschutzgesetz im Kreis Uelzen: „Die Kuh lag in Agonie“

Mit 35 Rindern soll der Viehtransporter – hier ein Symbolbild – beladen gewesen sein. Unklar blieb, wie lange die Tiere unterwegs waren.
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Mit 35 Rindern soll der Viehtransporter – hier ein Symbolbild – beladen gewesen sein. Unklar blieb, wie lange die Tiere unterwegs waren.

Uelzen/Landkreis – Ein Landwirt aus dem Landkreis Uelzen hat wegen eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eine Strafe von 1000 Euro zu zahlen. Er soll eine Kuh in einem extrem schlechten Zustand zur Schlachtung gegeben haben.

Als das Tier mit einem Viehtransporter an Schlachthof im Raum Oldenburg angekommen ist, war es bereits mehr tot als lebendig.

Die zuständige Tierärztin am Schlachthof ordnet an, dass das Tier noch im Transporter getötet wird. Vor dem Amtsgericht in Uelzen, an dem der Fall in dieser Woche verhandelt wird, findet die Veterinärin deutliche Worte: „Es war einer der schlimmsten Fälle, die ich an einem Schlachthof erlebt habe.“

Der Landwirt sieht sich zu Unrecht beschuldigt. Die Kuh sei „absolut nicht krank“, auch „nicht dehydriert“ gewesen, als sie bei ihm abgeholt worden sei, betont er vor Gericht. Sie habe gute Milchleistungen erbracht. Der Grund, dass er sie für die Schlachtung abgegeben habe, sei gewesen, dass sie sich, nachdem sie gekalbt hatte, immer wieder die Euter wund geleckt habe.

Bilder, die am Schlachthof vom Tier gemacht wurden, belegen den schlechten Gesundheitszustand bei Ankunft im Raum Oldenburg. Die Veterinärin spricht von einer „hochgradigen Ausmergelung“ des Tieres, der sogenannten Kachexie. „Jeder Knochenvorsprung war zu sehen“, so die Tiermedizinerin. Die Augen seien sehr tiefliegend gewesen – Anzeichen dafür, dass das Fettgewebe dahinter aufgebraucht gewesen sei. „Die Kuh lag in Agonie.“

Für den Landwirt steht fest: Verantwortlich für den Zustand des Tieres war der lange Transport. Er rechnet dem Gericht vor, dass zwischen dem Abholen bei ihm auf dem Hof und der Ankunft beim Schlachtbetrieb mindestens 36 Stunden vergangen sind – eine Zeit, „in der ich keinen Zugriff auf das Tier hatte“. Wenn das Rind in dieser Zeit nicht gefüttert worden sei und auch kein Wasser bekommen habe, womöglich noch Rangkämpfe im Transporter stattgefunden hätten, sei der Abbau des Tieres erklärlich.

Wie viel Zeit zwischen dem Abholen und der Ankunft vergangen ist, beschäftigt das Gericht dann auch in der Verhandlung – ohne, dass die Frage sicher beantwortet werden kann. Es stellt sich heraus: Datumsangaben auf einzelnen Unterlagen können nicht stimmen. Es wirft auch ein Licht auf den Transport, denn ein eigentlich geschwächtes Tier hätte gar nicht erst ins Fahrzeug verladen werden dürfen. Es muss, so sagt die Veterinärin „genusstauglich“ am Schlachthof ankommen.

Ob das aber vom Fahrer wahrgenommen wurde? Die Veterinärin bezeichnet ihn vor Gericht als „extrem unkooperativ“. Auf den Zustand der Kuh angesprochen, habe der Fahrer „sehr aggressiv“ reagiert. Wie Richter Rainer Thomsen erklärt, sei der Fahrer auch rechtskräftig verurteilt worden. Für Thomsen ist jetzt aber nur eine Frage entscheidend: Hat sich der Zustand der Kuh tatsächlich durch den Transport derart verschlechtern können? Nein, antwortet die Veterinärin. Das Tier habe bereits zuvor erkrankt sein oder sich in einem schlechten Zustand befinden müssen, sagt sie. Es hätte einer tierärztlichen Behandlung bedurft.

Für den Angeklagten spricht, dass er sich bisher nichts zu Schulde kommen ließ. Das hält ihm das Gericht zugute. „Und beim Transport ist mit Sicherheit nicht alles gut gelaufen“, so Thomsen. Er hält 1000 Euro als Strafe für angemessen. Ursprünglich waren 2400 Euro als Strafbefehl angedacht. Aus „wirtschaftlichen Gründen“ akzeptiert der Landwirt das Urteil – auch wenn er überzeugt ist: Es trifft den Falschen. VON NORMAN REUTER

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