Lokführer macht am Sonnabend Fehler gleich wieder gut

ICE verpasst Halt in Uelzen und dreht um

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Ein ICE rauscht durch den Uelzener Bahnhof. Dass er diesmal halten soll, vergisst ein Lokführer am Sonnabend.

Uelzen. Nicht nur in Wolfsburg fahren ICE-Züge manchmal durch. Nächster Halt für den ICE 1087 von Hamburg-Altona in Richtung Wiesbaden-Hauptbahnhof ist am Sonnabend laut Fahrplan um 20. 42 Uhr in Uelzen.

Doch der Zug stoppt nicht, die Lichter des Hundertwasserbahnhofs gleiten im Nu an den Fahrgästen vorbei.

Nach etwa einem Kilometer stoppt der Zug auf freier Strecke. Der Zugchef entschuldigt sich per Durchsage bei den Fahrgästen mit dem Hinweis, der Lokführer habe „einen kleinen Fehler“ gemacht. Schließlich legt dieser den Rückwärtsgang ein und rollt zurück nach Uelzen. Mit etwa 25 Minuten Verspätung rollt der ICE weiter in Richtung Hannover.

Ein Bahnsprecher bestätigt den Vorfall gestern auf AZ-Nachfrage. „Bei den Reisenden bitten wir um Entschuldigung“, so der Sprecher. Bis Wiesbaden habe der Lokführer die Verspätung bis auf sieben Minuten wieder herausgeholt.

Für Uelzen seien keine weiteren verpassten Halte bekannt. Grundsätzlich sei das extrem selten – aber offenbar nicht zu vermeiden. „Technische Einrichtungen, die das verhindern, gibt es nicht“, betont der Bahnsprecher.

Der Verein Pro Bahn gibt sich mit dieser Auskunft nicht so einfach zufrieden. „Wenn der Lokführer korrekt vorbereitet wäre, müsste ihm klar sein, dass er halten muss“, findet Ulrich Grunert, Sprecher des Regionalverbands Hannover-Region. Betroffen von vergessenen Halten seien vor allem Orte, in denen die Schnellzüge nur unregelmäßig auf dem Fahrplan stehen. Neben Wolfsburg leidet auch die Universitätsstadt Göttingen darunter. „Da das regelmäßig passiert, verstehe ich nicht, dass da nichts passiert“, sagt Grunert. „Die Fahrgäste kostet das Zeit und Geld.“

Es sei aber mitnichten technisch unmöglich, das Vergessen von Haltebahnhöfen auszuschließen. „Man kann das ganz einfach verhindern“, erklärt Grunert: „Indem der Fahrdienstleiter das Signal auf Rot stellt.“ Dann muss der Zugführer halten.

Im Übrigen verweist der Pro Bahn-Sprecher auf die Fahrgastrechte: Ab einer Stunde Verspätung hat der Kunde Anspruch auf Rückerstattung von 25 Prozent des Fahrpreises, ab zwei Stunden auf 50 Prozent. Ohne die spontane Rückfahrt hätten Fahrgäste mit dem Ziel Uelzen erst in Hannover aussteigen und sich eine Verbindung zurück an die Ilmenau suchen können.

Für Schlagzeilen sorgte der ICE in der Vergangenheit in Wolfsburg. Dort verpassten die Schnellzüge im vorigen Jahr gleich dreimal den Halt in der Autostadt. Ein Bahnsprecher hatte das mit Baustellen und speziellen Fahrplänen begründet. Die Lokführer wurden demnach darauf hingewiesen, auf spezielle Fahrpläne während der Bauphasen zu achten.

Von Gerhard Sternitzke

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