Tiere als Weihnachtsgeschenke – Uelzener Tierheim sieht genau hin

Vermittlung mit Augenmaß

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Uelzen. Das Entzücken mag zunächst groß sein, wenn zu Weihnachten ein süßer kleiner Welpe als Geschenk unterm Christbaum sitzt.

Doch das Leid des kleinen Vierbeiners kann noch größer werden – wenn nämlich der Alltag Einzug gehalten hat, regelmäßiges Gassigehen und Füttern fällig werden, die Erziehung des kleinen Kameraden ansteht. Nicht selten landen diese lebendigen „Geschenke“ dann im Tierheim. Manche dieser Einrichtungen haben daher vor Weihnachten ein Vermittlungsstopp eingeführt, geben keine Tiere mehr ab. Im Uelzener Tierheim sieht man die Problematik etwas differenzierter, sagt derweil dessen Leiterin Karin Rothe.

„Wir achten das ganze Jahr darauf, an welche Personen wir Tiere abgeben“, erklärt sie, ein Vermittlungsstopp sei daher aus ihrer Sicht nicht notwendig. Sie und ihre Mitstreiter hätten mittlerweile einen guten Blick dafür bekommen, wer es ernst meint mit einer langfristigen Bindung an ein Tier und wer eher nicht. „Man muss sich darüber klar sein, dass man sich zwischen sechs und 20 Jahre lang an ein Tier bindet, wenn man es anschafft“, so Rothe. Viele machten sich das nicht klar.

Weihnachten sei aus ihrer Sicht die schlechteste Zeit, sich ein Tier anzuschaffen. Es sei das Fest der Familie, entweder reise man herum oder habe selber Besuch – das könne für einen vierbeinigen Familienzuwachs zum echten Schock werden, der sich erst einmal an seine neue Umgebung gewöhnen müsse.

Grundsätzlich rät Karin Rothe dazu, sich vor der Anschaffung eines Tiers beim Tierschutzverein oder ähnlichen Einrichtungen genau über dessen Haltung zu informieren. Das gelte ganz besonders für Kleintiere wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und ähnliche Tiere, die ebenso wenig unter den Weihnachtsbaum gehörten. „Diese Tiere können nicht jaulen“, sagt Rothe eindringlich, und müssten alles stumm erdulden. Zum Beispiel, dass sie allein in Einzelhaltung leben müssten oder keinen Freilauf bekämen. Stellten die Besitzer dann irgendwann fest, dass die Nager ständig einen sauberen Käfig brauchen, dass sie auch mal streng riechen können, „dann landen diese Tiere gern mal bei uns“.

Bei der Auswahl eines Weihnachtsgeschenks sollte der Mensch sich in Erinnerung rufen, dass es sich bei einem Tier um ein Lebewesen handelt mit Bedürfnissen und nicht um eine Sache. Einen grundsätzlichen Vermittlungsstopp hält Tierschützerin Karin Rothe deswegen aber nicht für sinnvoll. So habe sie es einmal erlebt, dass kurz vor Weihnachten ein älteres Ehepaar vor der Tür des Uelzener Tierheims stand, dessen Hund gestorben war. „Die beiden fühlten sich gerade zu Weihnachten so allein und wollten einen neuen Hund zu sich nehmen. Natürlich werden diese Menschen nicht nach Hause geschickt, da muss man einfach differenzieren.“

Von Ines Bräutigam

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