Machte ihn der Alkohol zum Langfinger?

Verhandlung vor dem Amtsgericht Uelzen: Vorbestrafter Angeklagter behauptet, nur betrunken zu stehlen

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Der Alkohol verleitet den Angeklagten laut eigener Aussage immer wieder zum Stehlen. 

Uelzen – Wenn S. Alkohol trinkt, wird er zum Ladendieb. Das zumindest behauptet der Angeklagte jetzt am Amtsgericht Uelzen. Immer, wenn er betrunken ist, begehe er die Straftaten – zuletzt drei Ladendiebstähle in elf Tagen.

„Es ist richtig, dass ich das gemacht hab’. Das war wieder mein Alkoholkopf“, erklärt der 38-jährige Uelzener. „Ich mach’ das immer nur, wenn ich besoffen bin. Ich hab’ ein kleines Problem mit Alkohol.“ Richterin Meike Wulff möchte wissen, ob am Tag des einen Diebstahls eine Party anstand, weil S. aus der Auslage eines Discounters in Bad Bevensen Papp- und Plastikbecher sowie Servietten im Wert von zwölf Euro eingesteckt hat. – „Eigentlich nicht. Ich hab’ da wieder Sachen gemacht in meinem besoffenen Kopf.“

Das Problem ist, dass der mehrfach vorbestrafte Angeklagte, als er in einem Uelzener Supermarkt Bier und Proteinpulver geklaut hat, ein Messer in seiner Gesäßtasche hatte – ein Diebstahl mit Waffen also. „Eine Bewährungsstrafe kann ich mir da nicht vorstellen“, sagt die Staatsanwältin.

Immerhin hat S. mehrere offene Bewährungen und war erst ein Jahr vor den Diebstählen aus dem Gefängnis entlassen worden. Dort sei er von Ausgängen betrunken zurückgekommen. Und obwohl S. laut eigener Aussage bewusst ist, dass er ein Alkoholproblem hat, hat er seit den Taten vor fünf Monaten nicht wirklich viel dagegen unternommen. „Ich hab’ danach eine Entgiftung gemacht. Ich hab’ selber gemerkt, dass ich Mist gebaut hab’“, beteuert er.

Das findet die Richterin zu wenig: „Ich hätte mir gewünscht, dass Sie da schon ein bisschen mehr gemacht haben.“ Ob er denn schon mal über einen richtigen Entzug nachgedacht hat, möchte Meike Wulff wissen. „Das ist ein Prozess, der Zeit braucht“, schätzt die Bewährungshelferin von S. die Situation ein. „Wir führen Gespräche. Letztendlich hat er sich jetzt dazu entschieden, die Therapie anzugehen.“

Die Richterin setzt das Verfahren aus, um den Angeklagten begutachten und prüfen zu lassen, ob er tatsächlich wegen einer Alkoholabhängigkeit die Diebstähle begeht. In diesem Fall wäre die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt für zwei Jahre eine Option. Das wäre zwar länger, als S. voraussichtlich wegen den drei Diebstählen im Gefängnis absitzen müsste. Aber, seine Verteidigerin bringt es auf den Punkt: „Das wäre eine Investition in seine Zukunft.“

VON SANDRA HACKENBERG

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