Hiesige Polizeiwachen testen spezielles Messgerät, das künftig das „Anstechen“ ersetzen könnte

Alkoholkontrolle: Kann das „Pusten“ die Blutprobe ersetzen?

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Mit einem speziellen Messgerät werden zurzeit im Rahmen einer bundesweiten Studie die Werte von Blutproben verifiziert – auch auf den Polizeiwachen im Zuständigkeitsbereich Uelzen.

Uelzen/Hannover. Die Aussprache ist verwaschen, sie haben eine „Fahne“ und beim Aussteigen ist das Wanken unübersehbar – Polizeibeamte erkennen angetrunkene Autofahrer meist schon nach wenigen Augenblicken.

Ist ein solcher Verkehrssünder gestoppt worden, folgt in der Regel ein freiwilliges Pusten ins viel zitierte „Röhrchen“ und – sollte der Autofahrer extrem tief ins Glas geschaut haben – sogar auf richterliche Anordnung eine Blutentnahme. Die Polizeiinspektion (PI) Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen beteiligt sich jedoch zurzeit an einem bundesweiten Forschungsprojekt der Hochschule der Sächsischen Polizei, das Aufschluss darüber geben soll, ob künftig bei alkoholisierten Autofahrern auf eine Blutprobe verzichtet werden kann.

Bislang musste, wer mit mehr als 1,1 Promille am Steuer saß, eine solche Blutentnahme über sich ergehen lassen, erklärt Kai Richter, Sprecher der hiesigen PI. Weil ab dieser Promillegrenze nicht mehr nur eine Ordnungswidrigkeit vorliege, sondern ein Strafverfahren eingeleitet werde, bräuchten die Gerichte die Ergebnisse der Blutprobe als gerichtlich verwertbaren Beweis. Zusätzlich werde jetzt aber auch auf den Polizeiwachen mit einem speziellen Atemalkoholmessgerät der Promillepegel von Autofahrern gemessen und abgeglichen, ob dieser mit dem Wert der Blutprobe übereinstimmt, so Richter.

Für die Polizeibeamten wäre die Abschaffung einer Blutentnahme sicher eine Entlastung, meint der Polizeisprecher. Denn das Prozedere ist aufwendig: Die Blutentnahme muss ein Arzt durchführen, der wiederum von den Polizisten samt betrunkenem Autofahrer in seiner Praxis aufgesucht werden oder aber auf die Wache kommen muss. „Es gibt da verschiedene Vertragsärzte“, schildert Kai Richter, „oder die Kollegen fahren zur Blutentnahme ins Krankenhaus.“ Und das alles nicht selten spät abends oder in der Nacht.

Doch auch für die alkoholisierten Autofahrer sei der körperliche Eingriff bei einer Blutentnahme nicht unerheblich, das eigentliche Verfahren der Laboruntersuchung obendrein recht kostspielig. Und sollte es aufgrund der Trunkenheitsfahrt zu einer Verurteilung kommen, müsse der Verkehrssünder auch die aus der Blutentnahme entstandenen Kosten tragen.

Polizei und Ärzte zumindest würden auf das Abnehmen einer Blutprobe bei angetrunkenen Autofahrern in Zukunft gern verzichten, betont der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei, Dietmar Schilff. Auf sie nämlich „warten eigentlich dringendere Aufgaben“.

Von Ines Bräutigam

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