Einschulungsjahrgang 1944 feiert in Oldenstadt Klassentreffen

Vergangenheit kehrt zurück

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„Ruhe, sonst raucht es im Karton“: Etliche der Schülerinnen und Schüler können sich an ihre Einschulung vor 68 Jahren und die Temperamentsausbrüche ihre damaligen Lehrers Niepel erinnern.

Uelzen. Ein Klassentreffen! Wäre schön, denkt mancher. Beim Denken bleibt es, die Jahre gehen ins Land, die biologische Uhr tickt….

„Wenn wir es jetzt nicht anpacken, dann wird es nichts mehr“, sagte sich eine kleine Gruppe des Einschulungsjahrgangs 1944 der Oldenstädter Schule beim Betrachten alter Fotos vor zwei Jahren. Es blieb nicht beim Sagen – denn: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es! Fotos wurden gesichtet, Gesichter studiert, Namen zugeordnet. Das war doch, nein das war… Eine Sisyphusarbeit! Dann war es soweit. Die Einladungen wurden verschickt.

Jetzt winkte reicher Lohn: Fröhliche, staunend fragende Gesichter bevölkerten die Gaststätte „Zum Postillon“ in Oldenstadt. „Ich bin…und wer bist Du? Klar, jetzt erkenne ich Dich!“ Herzliche Umarmungen. Es ist, als laufe die Lebensuhr rückwärts – und während Heinz Heers und Gerda Burmeister die Anwesenden begrüßen, geht die Gegenwart, die Vergangenheit kehrt zurück.

Erinnerungen wurden wach – Schulspeisung, Care-Pakete, Mangel an Heften und Schulbüchern, Radtouren in die Heide, Göhrde, Heliand-Kreuz bei Medingen, Schulausflüge nach Hamburg (Hafenrundfahrt), Müden (Jugendherberge), Teutoburger Wald (Hermannsdenkmal, Extersteine), Baden in der Wipperau (Rövers Holzwiese, Bindelkamp), Schlittschuhlaufen (Pieperhöfener Teiche).

Nach dem Essen brechen alle Ex-Schüler und Ex-Schülerinnen zu einem Rundgang durch Oldenstadt auf. Was hat sich alles verändert! Dann, in der alten Schule großes Hallo und Erstaunen, wie in diesen zwei kleinen Klassenräumen so viele Schüler unterrichtet werden konnten. Mancher hört noch einmal die Schrecken verbreitende Stimme von Lehrer Niepel: „Ruhe, sonst raucht es im Karton!“ Spürt noch einmal die Schläge mit dem Rohrstock auf die Finger, das fröhliche Lachen der Kinder in der Pause.

Nach der Schulvisite gibt Initiatorin Gerda Burmeister einen kurzen Abriss aus der Oldenstädter Chronik, beginnend im Jahre 1351, als an dieser Stelle eine Klösterliche Lehranstalt existierte bis zum Jahr 1964, dem Umzug in die neu erbaute Schule am Meyerholzweg. Ein langer Weg.

Es folgte ein gemütlicher Spaziergang, gewürzt mit dem Erzählen von Erlebnissen aus der Schulzeit. Später saßen die Teilnehmer des Klassentreffens wieder im „Postillon“. Jeder berichtete aus seinem Leben, wie es ihm nach der Schulzeit ergangen ist, wie die Liebe in sein Leben kam, Hochzeit, Kinder, Karriere. Stoff, um Romane zu schreiben. Und alle dachten an die, die nicht mehr dabei sein konnten. Nachdenkliche Gesichter. „Klar, man hat schon eine lange Lebenswegstrecke zurückgelegt, aber noch brennt im Herzen das Feuer und die Devise heißt: Guck in die Sonne und nicht ins Mauseloch!“, so der Tenor. Zum Abschluss allgemeine Begeisterung über ein gut vorbereitetes und gelungenes Klassentreffen. „Es war unser erstes, aber es sollte noch lange nicht unser letztes sein. Ich bin dabei, wenn es wieder heißt: So ein Tag, so wunderschön wie heute, der dürfte nie vergehen…“, frohlocken Heinz Heers und Gerda Burmeister.

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