Blitzmarathon in Uelzen

Verfolgungsjagd mit Tempo 180 auf der B 191

+
Polizeioberkommissar Stefan Gust von Loh hält diesen Transporter gestern am Barumer Kreuz auf der B 4 an. Der Fahrer war aber vorschriftsmäßig unterwegs.

Uelzen/Landkreis. So etwas hatten die Beamten der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen schon lange nicht mehr erlebt. Ihr ziviler Videomesswagen wird am Dienstag auf der Bundesstraße 191 östlich von Pieperhöfen von einem Geländewagen überholt.

An dessen Steuer sitzt ein 20-jähriger Uelzener, der mächtig aufs Gaspedal tritt. Teilweise mit mehr als 180 Kilometern pro Stunde rast der Geländewagen davon, verfolgt vom Polizeifahrzeug.

Erst hinter der Kreisgrenze zu Lüchow-Dannenberg gelingt es den Beamten, den Raser zu stoppen. Seine Begründung gegenüber der Polizei: Er habe es eilig gehabt. Und das ausgerechnet am Tag des länderübergreifenden 24-stündigen Blitzermarathons. Auf den Mann warten nun ein dreimonatiges Fahrverbot, Punkte in Flensburg und ein saftiges Bußgeld.

Lesen Sie auch: 100 Autofahrer zu schnell unterwegs

Verstöße wie diese müssen die Beamten, die gestern Nachmittag mit dem Lasermessgerät am Barumer Kreuz an der B 4 stehen, jedoch nicht ahnden. Fast alle Fahrer halten sich an die Begrenzung auf Tempo 100 für Autos und 60 für Lkws. Polizeioberkommissar Stefan Gust von Loh führt das auf die Ankündigung des Blitzermarathons in den Medien zurück. „Wenn wir sonst hier stehen, haben wir relativ viele Treffer“, sagt er. „60 km/h fährt normalerweise nur ein Prozent aller Lkws, die meisten 70 bis 80.“

Deutlich zu viel auf dem Tacho hat indes ein Lastwagen aus Kassel. Oberkommissar Tobias Klaiber peilt ihn per Laserstrahl an. Das Messgerät zeigt 85 km/h. Mit der Polizeikelle winkt Gust von Loh den Lkw auf einen Parkplatz neben der B 4. Eine Toleranz von drei Stundenkilometern wird vom ermittelten Wert abgezogen. „Das macht 80 Euro Strafe und ein Punkt in Flensburg“, rechnet Gust von Loh vor, während sein Kollege Bernd Friedrichs die Personalien aufnimmt. „Eigentlich bin ich die ganze Zeit mit Tempomat gefahren“, erklärt der 43-jährige Fernfahrer. Als er hinter einem Auto bremsen musste, habe sich das Gerät automatisch abgeschaltet. Das habe er aber nicht bemerkt. „Danach habe ich den Lkw rollen lassen“, gibt der Mann zu.

Doch das ist für ihn noch das kleinste Problem. Viel Schlimmeres hat Klaiber bei der Überprüfung des Lkws entdeckt: „Die Bremsscheiben sind links und rechts vorne gerissen.“ Friedrichs Miene verfinstert sich. „Der Lkw ist verkehrsunsicher. Ich untersage Ihnen hiermit die Weiterfahrt“, ordnet er an. Nun muss der Fahrer sehen, wie er nach Hause kommt.

Bis Mittwoch um 6 Uhr dauert der Blitzermarathon. Der habe mit Abzocke aber nichts zu tun, betont Gust von Loh: „Es geht darum, die Leute zu disziplinieren, langsam zu fahren. Sie sollen erkennen, wie gefährlich der Straßenverkehr ist.“

Von Bernd Schossadowski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare