Für Wohnungslose gibt es in Uelzen verschiedene Anlaufstellen, was besonders im Winter wichtig ist

Vereiste Bänke statt Couchplatz am Kamin

Wichtiges Stück Papier: Um nachts unterzukommen, benötigt man diesen Einweisungsschein. Den gibt es auch bei der Polizei.

Uelzen. Die momentane Kälte sorgt bei vielen für unterkühlte Gliedmaßen und laufende Nasen. Umso mehr freut man sich auf die warme Wohnung.

Doch wie ergeht es den Menschen, die sich bei Temperaturen im zweistelligen Minusbereich nicht in ein geheiztes Zuhause zurückziehen können?.

Nächtliche Unterkunft am Bohldamm: In diesem Bett schläft Ursula Meier derzeit. Sie ist momentan der einzige Gast. Fotos: Tenbrink

„Langsam wird es Zeit, dass ich mich festmache“, denkt Ursula Meier (Name geändert) laut nach. Mit Festmachen meint sie sesshaft werden. Die 68-Jährige gehört zu den durchreisenden Wohnungslosen. Heute ist sie noch in Uelzen, „morgen oder übermorgen geht es weiter nach Lüneburg.“ Etwa drei Tage verbringt Meier in jeder Stadt, bekommt für diese Zeit jeweils den Tagessatz eines Hartz-4-Empfängers – das seien etwa 12 Euro. Außerdem kann sie sich einen Einweisungsschein holen, um nachts ein Dach über dem Kopf zu haben. In Uelzen gibt es hierfür ein Gebäude am Bohldamm, bis zu sechs Personen können hier untergebracht werden. Den in Uelzen ansässigen Wohnungslosen stehen Quartiere Im Böh zur Verfügung, die sie bei Bedarf auch längere Zeit bewohnen dürfen.

Die Unterkunft am Bohldamm öffnet täglich um 17 Uhr ihre Pforten, am nächsten Morgen um 7 Uhr werden die Gäste dann wieder hinausgebeten. Tagsüber halten sich die Betroffenen zum Beispiel im Tagestreff für allein lebende Wohnungslose des Diakonischen Werks auf. „Über den ganzen Tag verteilt kommen 15 bis 20 Leute hier vorbei“, berichtet Gabi Weiss. Die 54-Jährige ist Sozialarbeiterin und seit 14 Jahren in der Einrichtung tätig. Viele kämen hierher um ihre Wäsche zu waschen und zu trocknen oder zu duschen. Auch das günstige Mittagessen sei ein Anreiz. Wenn der Tagestreff um 14 Uhr schließt bleiben allerdings noch drei Stunden, bis die Herberge am Bohldamm öffnet. „Dann gehe ich nochmal am Bahnhof vorbei“, plant Ursula Meier ihren Nachmittag. In der Bahnhofsmission könne man sich auch bei einem Kaffee aufwärmen. Den Fehler, sich bei diesen Temperaturen zuviel draußen aufzuhalten, macht die 68-Jährige nicht noch einmal: „Ich habe mich mal auf eine vereiste Bank gesetzt“, erinnert sie sich, „nur für eine halbe Stunde.“ Am Abend habe sie dann mit einer akuten Blasenentzündung ins Krankenhaus gemusst.

Von Karsten Tenbrink

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