Verein „Die Brücke“ feiert 50. Geburtstag / Ausbau der ambulanten Versorgung

Psychiatrie im Wandel

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Zwei runde Geburtstage in einem Jahr: Kurt Spannig wird heute 60 Jahre alt und der Verein „Die Brücke“, deren Geschäftsführer ist, wird dieses Jahr 50.

Uelzen. Die Patienten werden mit Medikamenten und Elektroschocks ruhig gestellt, untergebracht in großen Sälen, in denen sich Bett an Bett reiht:

Vor 50 Jahren habe eine psychiatrische Anstalt etwa so ausgesehen wie in dem Film „Einer flog über das Kuckucksnest“, beschreibt Kurt Spannig, Geschäftsführer der Psychiatrischen Klinik Uelzen und des Vereins „Die Brücke“. Um die Versorgung zu verbessern, haben Vertreter der Sozialbehörde und Angehörige psychisch Erkrankter in Hamburg den Verein „Die Brücke“ gegründet. Im September wird das runde Jubiläum in Uelzen groß gefeiert.

Nach der Vereinsgründung 1964 entstanden Psychiatrische Wohngemeinschaften und dann die Psychiatrische Klinik in Häcklingen im Landkreis Lüneburg. Bei der Reform der psychiatrischen Versorgung gehörte „Die Brücke“ zu den Vorreitern: Nach der Eröffnung eines Sozialpsychiatrischen Dienstes (SoPD) in Köln als erster bundesweit entstand in Uelzen der zweite SoPD, berichtet Spannig. „Da gab es anfangs große Widerstände.“ Mittlerweile sei die Kombination aus ambulantem und stationärem Angebot zur wohnortnahen und sozial-psychiatrischen Versorgung von Menschen mit seelischen Erkrankungen wie in Uelzen Standard in Deutschland.

Vor zehn Jahren hat das zuständige Ministerium den Bescheid herausgegeben, dass der Verein „Die Brücke“ eine Psychiatrische Klinik in Uelzen bauen darf – ein weiterer runder Geburtstag in diesem Jahr. Seit sieben Jahren besteht nun die Psychiatrische Klinik. Der Umzug von Häcklingen nach Uelzen war Kurt Spannig nicht nur ein fachliches, sondern auch ein persönliches Anliegen, berichtet er. „Wir fühlen uns auch als Unternehmen der Region verbunden.“ Ihm gehe es auch darum, Arbeitsplätze im Kreis zu schaffen und zu erhalten und dabei mitzuhelfen, dass die Wirtschaft in der Region „etwas Gutes auf die Beine stellt“, sagt er.

Derzeit steuert „Die Brücke“ auf 700 Patienten pro Jahr in der Psychiatrischen Klinik und in den Tageskliniken Uelzen und Lüchow-Dannenberg zu. 80 Prozent der Patienten kämen aus dem Versorgungsgebiet Uelzen/Lüchow-Dannenberg. Die Dauer der stationären Aufenthalte hat sich verändert: Anfangs waren hundert Tage Durchschnitt, jetzt würden Patienten etwa 21 Tage behandelt. Die Vorgaben der Krankenkassen seien oft „grenzwertig“, erläutert er. „Die Krankenkassen machen kräftig Druck.“ Durch die Tagesstätten und weitere Eingliederungshilfen sei es jedoch möglich geworden, Patienten früher aus der Klinik zu entlassen und dennoch weiter zu begleiten.

Im Jahr der runden Geburtstage stehen für die Klinik zwei weitere Veränderungen an: Zum Einen müssen sich die Verwaltung und das medizinische Personal auf ein neues Entgeldsystem einstellen, das mehr Dokumentationen verlange. Zum anderen soll die Zahl der Plätze in der Uelzener Tagesklinik von 12 auf 20 erhöht werden. Der Standort an der Alewinstraße soll somit zu einem „Gemeindepsychiatrischen Zentrum“ entwickelt werden, kündigt Spannig an.

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