Einsatz bei Neophyten 2018 erlaubt

Uelzens Bauausschuss untersagt Glyphosat auf städtischen Flächen 

+
Der Bauausschuss der Hansestadt empfahl jetzt denkbar knapp, den Einsatz von Glyphosat auf städtischen Flächen zu verbieten. Während es Landwirten auf städtischen gepachteten Arealen gänzlich untersagt werden soll, gilt für den Bauhof eine Ausnahme.

Uelzen. Die Hansestadt Uelzen soll den Einsatz von Glyphosat auf städtischen Flächen verbieten. Das empfahl jetzt der Bauausschuss bei fünf Ja-Stimmen von SPD und UWG, vier Nein-Stimmen der CDU und einer Enthaltung von Rolf Tischer (Piraten).

Einzige Ausnahme ist für 2018 der Einsatz von Glyphosat bei der Bekämpfung von sogenannten Neophyten wie der Herkulesstaude oder dem Jakobkreuzkraut. Das Verbot beinhaltet auch die von Landwirten gepachteten städtischen Flächen. Die Stadt solle, so Uwe Holst (SPD), die auslaufenden Pachtverträge dahingehend ändern und gegebenenfalls sich automatisch verlängernde Verträge kündigen und abändern.

„Wir müssen etwas tun, bevor es für Gegenmaßnahmen zu spät ist“, begründete Holst den Antrag der SPD-Stadtratsfraktion. Glyphosat stehe im Verdacht, krebserregend und eine der Ursachen für das Insektensterben zu sein. Die öffentliche Hand habe eine Vorbildfunktion und sei verpflichtet zu handeln. Dazu gehöre auch, den Landwirten auf von der Stadt gepachteten Flächen das Ausbringen von Glyphosat zu verbieten.

„Staatlich anerkannte Institutionen sagen etwas anderes“, kritisierte Hans-Jürgen Heuer (CDU) die Begründung von Holst. Bevor man eine solche Entscheidung treffe, müssten Experten gehört werden. Es dürfe keine Entscheidung aus dem Bauch heraus sein. Zudem erweise man mit dem Verbot von Glyphosat den Insekten einen Bärendienst, weil es dann keine Zwischenfrucht mehr gebe, sondern im Herbst der Acker umgepflügt werde. „Wenn ich die Herbstfurche mache, hab ich dann fünf bis sechs Monate keine Pflanzen, wo die Insekten überwintern können“, sagte Heuer. Tischer kritisierte hingegen, dass man von einem Privatmann mehr verlangen könne, als man selber zu machen bereit sei.

Die Stadt, die im vergangenen Jahr noch fünf Liter Glyphosat verbraucht hat, wünsche sich weiterhin die Anwendung des Mittels in absoluten Ausnahmefällen, erklärte Stadtbaurat Karsten Scheele-Krogull. Pachtverträge mit Landwirten müssten vor der automatischen Verlängerung gekündigt werden, um das Verbot von Glyphosat umzusetzen, sagte er. Es werde somit zu Pachtminderungen kommen.

„Glyphosat ist eine Glaubensfrage geworden“, meinte Joachim Delekat (UWG). Es sei fraglich, ob ein Verbot der Ausbringung von Glyphosat rechtlich Bestand haben könne, wenn es doch zugelassen sei. Man solle die Debatte auf Bundesebene abwarten.

„Das kommt mir vor, als wären wir wieder im finsteren Mittelalter“, erklärte Claas Steinhauer, stellvertretender Geschäftsführer des Bauernverbandes Nordostniedersachsen, nach der Entscheidung gegenüber der AZ. Es herrsche sicherlich eine Unsicherheit innerhalb der Bevölkerung vor. Aber aus einem bloßen Gefühl heraus könne man nicht einfach ein Mittel verbieten, das von den zuständigen Behörden zugelassen ist, so Steinhauer.

Von Lars Lohmann

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare