Mutter eines Mordopfers: „Es verändert für immer“

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Rosemarie Schäfer am Grab ihrer Tochter Yasmin: 1996 wurde die damals 18-Jährige ermordet, bis heute bleibt die Tat ungesühnt.

Uelzen/Bodenfelde - Von Thomas Mitzlaff . „Dieses Monster hat mir mein Ninchen geraubt. Er soll ewig weggesperrt bleiben.“ Diese Sätze und eine weinende Frau waren gestern in einer deutschen Boulevardzeitung zu sehen. Eine Mutter trauert um ihre ermordete Tochter, getötet nach Überzeugung der Polizei von einem 26-jährigen, aus Uelzen stammenden Mann.

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Rosemarie Schäfer liest in diesen Tagen viel über den Doppelmord von Bodenfelde und der Schmerz kommt wieder hoch. Voller Mitleid verfolgt sie die Trauer der Angehörigen, fassungslos die Äußerungen von Andrea O., der Mutter des mutmaßlichen Täters. Rosemarie Schäfer wohnt auch im Landkreis Uelzen, wie die Eltern des Verdächtigen. Viele der Gefühle, die in diesen Tagen geäußert werden, kennt sie, sie erlebt sie auch heute noch. Rosemarie Schäfer ist Mutter eines Mordopfers. Vor 14 Jahren wurde ihre Tochter Yasmin, damals 18 Jahre alt, auf einer Discotour irgenwo bei Peine ermordet. „So etwas verändert das eigene Leben für immer“, sagt die Uelzenerin gestern zur AZ. Sie leidet noch immer, „ich bin seitdem nicht mehr richtig belastbar und musste meinen Beruf aufgeben“.

Die Eltern der Getöteten hätten die Tragödie noch gar nicht richtig realisiert, weiß sie: „Jetzt sind sie traumatisiert, funktionieren irgendwie. Man lebt weiter, steht neben sich und irgendwann bricht dann alles zusammen“. Man hat Rosemarie Schäfer das einzige Kind genommen im Jahr 1996, der bislang nicht gefasste Täter hat die Tote zersägt und die Teile in der Region verteilt. Zu der Trauer gesellte sich dann viele Jahre auch noch die Auseinandersetzung mit den Behörden, „man hat kaum Kraft und muss dort dann auch noch kämpfen“, schildert sie. Erst nach fünf Jahren habe man die ihr zustehende Opferentschädigungsrente bewilligt.

Der Verlust ist so unbegreifbar groß, dass der 55-Jährigen jegliches Verständnis dafür fehlt, dass die Mutter des mutmaßlichen Täters sich in der Öffentlichkei äußert und ihren Sohn auch als Opfer eines von Gewalt geprägten Familienalltags entschuldigt. „Wenn eine Mutter sagt, dass ihr Sohn nie Liebe erfahren hat, dann hat sie sich mitschuldig gemacht an einer solchen Tragödie.

Dann hat sie in der Erziehung versagt. Und sie hat kein Recht, die Angehörigen der Opfer mit ihrer eigenen Situation zu konfrontieren.“ Den Angehörigen der Opfer wünsche sie viel Kraft, für den mutmaßlichen Täter und dessen Eltern habe sie keine Worte: „Dafür gibt es einfach keine Entschuldigung.“

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