AUS DEM GERICHT: Entscheidung im Fälscher-Prozess

Urteil in Uelzen: Freiheitsstrafe für Gerichtsvollzieher

Der 61-Jährige – hier mit Verteidiger Mirko Laudon – hat über Jahre Zustellbelege für Amtsschreiben gefälscht.
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Der 61-Jährige – hier mit Verteidiger Mirko Laudon – hat über Jahre Zustellbelege für Amtsschreiben gefälscht.

Uelzen/Lüneburg – Der Uelzener Gerichtsvollzieher, der sich vier Jahre lang der Urkundenfälschung schuldig gemacht hat, ist gestern von der 11. großen Strafkammer des Landgerichts Lüneburg zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt worden.

Er hat nach Angaben einer Gerichtssprecherin 4500 Euro als Geldauflage zu zahlen. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre.

Der 61-Jährige hat, anders als zunächst berichtet, Amtsschreiben an Schuldner angefertigt, sie dann aber nur mit einer Briefmarke versehen und in die Post gegeben. Es hätte aber zwingend eine förmliche Übergabe der Schreiben an die Schuldner durch einen Briefzusteller geben müssen. Der Gerichtsvollzieher gab das auch vor, indem er Zustellbelege fälschte. Er dachte sich Namen von Zustellern aus, die er in die Belege eintrug.

Zudem rechnete er die förmliche Zustellung mit Sätzen von 3,45 Euro und später von 4,11 Euro ab – anstelle des einfachen Briefportos. Gut 1500 solcher Fälle hat es gegeben. Nach vier Jahren flog der Schwindel 2018 auf.

Zu Beginn des Prozesses in der vergangenen Woche suchten Angeklagter und Verteidiger Mirko Laudon den Schutz der Anonymität. Bilder waren nicht erwünscht. Es folgte ein Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit, damit keine Details zu den Beweggründen des 61-Jährigen bekannt werden. Der Antrag lief ins Leere.

Der Gerichtsvollzieher begründete im Folgenden seine Taten mit Schicksalsschlägen in der Familie, seinem Gesundheitszustand und dem 2013 geänderten Zwangsvollstreckungsrecht. Die Gesetzesnovelle habe zu deutlich mehr Arbeit geführt, sagte er. Und statt draußen bei den Schuldnern zu sein, habe er in seinem Büro gesessen. So seien auch kleine Erfolgserlebnisse, die früher im direkten Gespräch mit den Schuldnern erreicht werden konnten, ausgeblieben.

Den neuen Arbeitsalltag bezeichnete er als frustrierend. Die Nackenschläge im Privaten hätten ihn zusätzlich belastet. „Ich war ein psychisches wie physisches Wrack“.

Der Verurteilte hat sich im vergangenen Jahr psychologische Hilfe geholt. Er war zuletzt arbeitsunfähig geschrieben. Und es ist auch mehr als fraglich, ob er zu seiner Arbeit zurückkehren wird. Bei Freiheitsstrafen von mehr als einem Jahr droht Beamten die Entfernung aus dem Dienst und der Verlust der Pensionsbezüge. VON NORMAN REUTER

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