Bei der Zierfischbörse der Aquarienfreunde Uelzen wechselt mancher Fisch den Besitzer

Sog der Unterwasser-Welt

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Eckhard Gaede (65) mit einem kapitalen Exemplar. In der Tüte hat der Fisch sein gewohntes Wasser aus dem Aquarium.

Uelzen. Michael Fedder ist geduldig. Vorsichtig schiebt er den Kescher durch das Becken, aber die Fische schlängeln sich an dem grünen Netz vorbei. Der 54-Jährige wiederholt die Aktion.

Aufmerksam blickt er auf seine gelben Schützlinge, während er die Aktion ein ums andere Mal wiederholt. Unablässig steigen die Bläschen der Frischluftzufuhr auf. Die Zeit unter der Wasseroberfläche geht in Zeitlupe. Da dreht der Salzwedeler Fischzüchter den Kescher zur Außenwand des Aquariums und zieht den Labidochromis in die Höhe. Er ist nur einer der Wasserbewohner, die gestern bei der Zierfischbörse der Aquarienfreunde Uelzen den Eigentümer wechselten.

Michael Fedder aus Salzwedel verkauft gelbe Buntbarsche. Die Art stammt vom Malawisee in Afrika.

Wer Fische in der Pausenhalle des Herzog-Ernst-Gymnasiums in Uelzen ersteht, zahlt an der Kasse und bringt eine Folientüte mit. Fedder lässt die Buntbarsche aus dem Kescher in einen Messbecher mit Wasser aus dem Aquarium platschen und befüllt damit die Tüte, die er mit einem geübten Griff durch das Gummi schließt. „Der Buntbarsch ist ein Maulbrüter“, erklärt Fedder. „Das Weibchen brütet die befruchteten Eier im Maul aus. In der Zeit, drei Wochen, frisst sie nichts.“

Matthias Ahrens freut sich über die Feuerfische, die er auf der Zierfischbörse der Aquarienfreunde Uelzen erstanden hat.

Matthias Ahrens hat gerade zwei Feuerfische erstanden. „Die schillern so schön. Und die Maserung sieht einfach genial aus“, sagt der 45-Jährige. Wie viele der bunten Fische fürs Aquarium stammen sie vom Malawisee in Afrika. Zu Hause besitzt Ahrens zwei große Aquarien mit 500 und 700 Litern Inhalt. „Andere sammeln Bierdeckel. Wir sammeln Fische“, erzählt seine Freundin Marina Stark (28). „Das sind schöne Tiere. Beim Reinigen knabbern sie einem an den Fingern.“

Die Unterwasserwelt scheint ihren eigenen Sog zu haben. Wer einmal mit diesem Hobby beginnt, bleibt dabei. Und will mehr. Martin Bonack, Schriftführer der Aquarienfreunde Uelzen, ist vor drei Jahren bei der Börse auf den Geschmack gekommen. Inzwischen besitzt er zehn Aquarien. „Man guckt, wie die Farbschläge sich entwickeln“, erzählt der 40-Jährige. „Das ist sehr beruhigend.“ Ein Ausgleich zum stressigen Beruf als Bäckereiverkäufer. Auf der Aquarienbörse verkauft er die Tiere, die er über hat.

Die Aquarienfreunde von 1994 sehen sich im Aufwind. 24 Mitglieder im Alter von 30 bis 80 Jahren besitzt der Verein. Eine Jugendgruppe ist gerade in Planung. „Das Interesse ist wieder da, auch bei den Jüngeren“, berichtet Vorsitzender Andreas Baumgardt. „Eine Rolle spielt dabei wohl auch, dass das Equipment günstiger geworden ist und die Geräte weniger Strom fressen.“

• Info: www.aquarienverein-uelzen.de.

Von Gerhard Sternitzke

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