Bittere Bilanz zu Homeschooling / Kreiselternrat: Es muss nachgebessert werden

Unterricht mit Fehlermeldungen

Unterricht am Bildschirm: Für Schüler ist dies in der Pandemie zum Alltag geworden. Aber es gibt Probleme.
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Unterricht am Bildschirm: Für Schüler ist dies in der Pandemie zum Alltag geworden. Aber es gibt Probleme.
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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Videokonferenzen sind wegen technischer Pannen beim Anbieter nicht möglich. Auf Tablets fehlen Lernprogramme.

Uelzen – Und Familien, die auf dem flachen Land wohnen, steht keine ausreichende Internetverbindung für den digitalen Unterricht zur Verfügung: Der hiesige Kreiselternrat zieht nach einer Woche Distanzlernen im neuen Jahr eine eher ernüchternde Bilanz – und fordert Verwaltungen und Politik auf, nachzubessern.

Für Familien, die finanziell schwach auf der Brust sind, haben Kreis und Kommunen zwar Tablets mit dem Sofortausstattungsprogramm des Bundes anschaffen können. 177 waren das beispielsweise für die Grundschulen in der Stadt Uelzen. Aber es seien Lernprogramme wie „Antolin“ hier vor der Ausgabe nicht installiert worden, sodass die Geräte bislang nicht wirklich hätten genutzt werden können, bemängelt Mike Finke, Vorsitzender des Kreiselternrats.

Fürs Distanzlernen arbeitet die Hansestadt Uelzen wie andere Kommunen auch mit dem Braunschweiger Anbieter IServ zusammen, der Angebote fürs digitale Lernen unterbreitet. Allerdings: Zu Beginn der vergangenen Woche fiel IServ durch technische Pannen auf, weswegen Videokonferenzen zwischen Lehrern und Schülern nicht möglich waren.

IT-Administratoren für Bildungseinrichtungen

Nach dem holprigen Beginn findet der Kreiselternrat, Schulträger sollten ihre Hoffnungen nicht ausschließlich auf externe Anbieter setzen. „Derzeit bieten Bund und Länder den Kommunen monetäre wie auch fachliche Unterstützung. Die Elternschaft erwartet, dass Fördermittel zügig beantragt werden und kurzfristig Verwendung finden“, so der Kreiselternrat in einer Mitteilung. Auch sollte es an den Schulen IT-Administratoren geben, die sich um die Technik kümmern könnten.

Eine Herausforderung sind laut dem Vorsitzenden Mike Finke auch die fehlenden Internetverbindungen in ländlichen Regionen. „Versuchen Sie mal, mit mehreren Kindern Videokonferenzen zu starten“, so Finke.

Aufgaben-Pakete werden ausgegeben

Wie arbeiten Schulen angesichts der geschilderten Probleme? Katja Wolff, Leiterin der Hermann-Löns-Grundschule in Uelzen, berichtet, dass die Stadt für finanzschwache Familien an ihrer Schule 31 Tablets bereitgestellt habe. Sie bestätigt vom Elternrat beschriebene Probleme: Es fehlten noch Programme auf den Tablets und auch eine ausreichende Virenschutz-Software. Zum Einsatz kommen sie so bislang nicht. Fraglich auch, ob sie ausreichen würden: „An der Schule haben wir viele Kinder, die in Haushalten ohne PC und Tablets leben.“

Die Grundschule hat sich für einen analogen Weg entschieden: Es wurden Pakete mit Aufgabenblättern zusammengestellt und diese an die Schüler verteilt. Außerdem wurden Telefonate mit Eltern und Kindern geführt. „Wir glauben, dass wir mit dem digitalen Weg zu viele Kinder verloren hätten“, so Katja Wolff. Zumal es auch das technische Verständnis brauche, und das sei für Kinder im Grundschulalter schwierig.

Seit gestern gilt Wechselunterricht an den Grundschulen. An der Hermann-Löns-Schule wurden dafür Klassen geteilt, jeweilige Gruppen werden nun tageweise in der Schule unterrichtet. Für die Tage zuhause werden wieder Aufgaben verteilt.

Ob nun Homeschooling mit ausgegebenen Arbeitsblättern oder der Einsatz digitaler Medien – beim Distanzlernen sieht der Kreiselternrat so oder so noch Handlungsbedarf. Ein echter digitaler Unterricht erschöpfe sich nicht, wie es anzutreffen sei, im wilden Verteilen von PDF-Arbeitsblättern und in Dauerhausaufgaben per E-Mail, Kopierkriegen oder bestenfalls Videokonferenzen im Stil des Frontalunterrichts. „Es gibt Plattformen im Internet, auf denen sich Lehrer kreative Ideen holen können, damit es auch methodisch und pädagogisch passt“, so Finke. Was fehlende Programme auf jenen Tablets betrifft, die die Stadt ausgibt, so können dort nach Angaben der Uelzener Verwaltung noch zusätzliche Apps aufgespielt werden.

Zusätzliche Apps noch möglich

Allerdings sei es wegen Sicherheitsfragen nötig, die Geräte „zentral zu verwalten“. Sie seien aber auch jetzt uneingeschränkt nutzbar. Dafür seien die Voraussetzungen geschaffen worden – mit der Anschaffung der Geräte und einem Schulserver über IServ. Dass man sich für IServ entschieden habe, gehe auf „Empfehlungen der Schulen“ sowie auf „die medienpädagogische Beratung des Regionalen Amtes für Schule und Bildung und des IT-Verbundes“ zurück. Übrigens von den 177 besorgten Tablets für finanzschwache Familie wurden bisher 65 Geräte von den Uelzener Schulen abgerufen.

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