Theater geschlossen, Chöre wohlauf: Gospelfestival geht vor dem HEG über die Bühne

Unterm Arbeitsscheinwerfer

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Der große Chor sang vor dem Eingang zum Gymnasium seinem Publikum auf dem Schulhof zu.

Uelzen. Sie retten, was zu retten ist: Das zehnte Norddeutsche Gospelchortreffen vor dem Herzog-Ernst-Gymnasium hängt auch am THW.

Auf dem kurzen Dienstweg über die THW-Leitung angefragt, haben Frank Beß und Florian Meier einen Lichtmast aufgestellt, wie er sonst in Katastrophenfällen gebraucht wird. Dessen Scheinwerfer tauchen die Zuschauer bei der Gospel-Night in wärmendes Licht. Eigentlich hätte alles drinnen im Theater stattfinden sollen. Das ist aber für den Spielbetrieb gesperrt (AZ berichtete). So ist Beß mit dem blauen Unimog gekommen und sagt lächelnd: „Wir geben Hilfeleistung. “.

Bejubelter Auftritt: African Gospel mit Max-Ole Tammen.

In der Tat: Sie sind ein Baustein im Improvisationsschauspiel, das das zwölfköpfige Organisationsteam des Gospel-Festivals gibt. Und so kommt, auch wegen des trockenen Wetters, und trotz der abrupten Schließung des Theaters, eine gelassene, ja heitere Stimmung bei der Gospel-Night auf, die kurzerhand zu einem Open Air umfunktioniert worden ist. Mehr als 300 Zuschauer und 320 Akteure wärmen und wiegen sich am Sonnabendabend zu den Gospelklängen. „Thula sizwe“ heißt es da in einem African-Gospel: „Sei still Volk und weine nicht. Gott wird uns beschützen.“

Das kann man glauben. Denn die Open-Air-Veranstaltungen am Sonnabend, drei Konzerte am Tag und die aufwendige Gospel-Night mit Workshop-Titeln und großem Chor am späten Abend, werden draußen vor den Türen von HEG und Theater so selbstverständlich, als sei alles so geplant gewesen. Das Knall auf Fall geschlossene Ilmenautheater ist zwar ein Thema, aber die Freude an diesem Gospel-Festival lässt sich niemand nehmen.

Begleitet wurden die Sänger von Musikern und Solisten sorgten immer wieder für Gänsehaut-Momente bei der Open-Air-Veranstaltung.

Schließlich treten zwölf von den 19 Chören am Freitag und Sonntag mit großem Zuhörerinteresse in Kirchen des Landkreises auf, die zehn Workshops in Räumen des HEG finden statt – und das Organisationsteam um Chorleiter Christof Struck hat alles gegeben. So mag an diesem Sonnabend keiner so recht politisch werden. Mit Schelte hält man sich zurück, auch wenn Barbara Neugebohren vom Oldenstädter Gospelchor „GOup!“ sagt: „Das ist keine Werbung für Uelzen.“

Am Ende wird sogar „der Bürokratie“ in Stadt und Landkreis Danke gesagt, weil sie den Weg noch freigemacht hat für dieses besondere Open Air. Der Bürgermeister ist verhindert, für den Landrat kommt dessen Stellvertreter Jürgen-Peter Hallier. Und es ist Propst Jörg Hagen, der für den Kirchenkreis Uelzen als Projektträger des Gospel-Wochenendes am Abend ein Grußwort spricht und die Schließung des Theaters schlicht einen „GAU“ nennt.

Da haben die Uelzener Gospelchöre aus Lehmke (Just4Fun), Kirchweyhe-Westerweyhe (Sweet Chariots) und Oldenstadt (GOup!) ihre eigenen Auftritte in Bad Bodenteich und vor dem HEG längst hinter sich. Am Sonnabend traten der Gospelchor Hannover zudem im DRK-Mehrgenerationenhaus und Mitglieder aus den vier Chören Strucks im Helios-Klinikum auf.

Barbara Kopske, Mitorganisatorin des Treffens, ist am späten Abend erleichtert: „So ist es trotzdem zu einem richtig schönen Festival geworden.“ Wo sie recht hat, hat sie recht.

Von Christian Holzgreve

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