„Uns geht es um Respekt“

Rund 30 Bürger demonstrieren am Königsberg für Akzeptanz des Treffs für Homosexuelle

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Mit Plakaten wollten rund 30 Bürger bei einer Kundgebung vor dem Treff am Kö zeigen, dass sie hinter der Entscheidung stehen, Homosexuellen einmal im Monat die Möglichkeit zu geben, sich dort auszutauschen.

Uelzen. Den über 30 friedlichen Demonstranten, die sich am Dienstagabend zu einer Kundgebung getroffen haben, ging es nicht darum, die Homosexuellen im Treff am Kö willkommen zu heißen.

„Denn es gibt sie in Uelzen schon lange“, stellt Elke Schulze, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, klar. „Uns geht es um Respekt und Toleranz ihnen gegenüber.“

Die Quartiersmanagerin des Treffs am Kö, Petra Haberland, ist noch immer erschrocken über den Gegenwind, den die Ankündigung ausgelöst hat, einen Treffpunkt für homosexuelle Frauen und Männer zu starten (AZ berichtete). „Was durch eine kleine Pressemitteilung ausgelöst wurde, damit habe ich nicht gerechnet.“ Sie selbst als Person sei von ein paar wenigen Bürgern angefeindet worden. Einschüchtern lassen wolle man sich aber nicht: „Die gwk und die Johanniter stehen ganz klar hinter der Entscheidung und dem, wofür wir uns heute hier versammeln.“

Die Idee für die Kundgebung ist ganz spontan bei der letzten Arbeitsgemeinschaft der sozialen Dienste entstanden, erklärt Schulze. Nachdem bekannt geworden war, dass künftig einmal pro Monat ein Treff für Homosexuelle stattfinden soll, habe es einige erboste Anrufe, darunter von direkten Anwohnern, gegeben. Die befürchten laut Schulze am Königsberg Randale und Aufmärsche von Neonazis. Aber sie betont: „Wir haben beschlossen, wir wollen es trotzdem durchziehen.“

Tinka Brandes hatte die Idee für den Treff. „Ich bin der Meinung, dass das in Uelzen gefehlt hat.“ Schwule und lesbische Bürger hätten bisher immer in größere Städte wie Hamburg oder Braunschweig fahren müssen, um sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Damit soll nun Schluss sein. Das erste Treffen, das nach der Kundgebung stattfand, verlief ohne Störung.

„Man muss Schwule und Lesben nicht verstehen“, sagt Schulze. „Das kann man auch nicht, wenn man selbst nie so gefühlt hat. Aber man sollte die Gefühle anderer akzeptieren.“ Die Ehe für alle wurde im Bundestag beschlossen. „Doch auf unterer Ebene fängt es jetzt wieder an.“ Schulze fühlt sich in die 70er Jahre zurückversetzt, und diese Zeit, dachte sie, „haben wir schon lange hinter uns gelassen.“

Von Sandra Hackenberg

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