Oldenstädterin näht einzigartige Taschen aus „Lumpen“, die keiner haben wollte

Unikate für den guten Zweck

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Dutzende Lumpentaschen haben sich in den vergangenen Wochen in dem kleinen Zimmer zuhause bei Inge Lüdtke angesammelt und alle sind ein Unikat. Täglich werden es mehr. 

Uelzen-Oldenstadt. Stofffetzen, Tischdecken und Bettlaken liegen auf gefühlt jedem Quadratzentimeter verstreut, in der Mitte stehen zwei Nähmaschinen. Das kleine Zimmer ist der Ort im Haus, in dem Inge Lüdtke in den vergangenen Wochen jede freie Minute verbracht hat.

Dort fertigt die Oldenstädterin ihre „Lumpentaschen“ an, wie sie die Unikate liebevoll nennt.

„Ich garantiere, dass keine Tasche abgemessen und keine Naht gerade ist“, erklärt die 61-Jährige augenzwinkernd die Besonderheit ihrer Taschen. „Ich garantiere nur, dass sie lange halten.“ Ob eine alte Jeanshose, alte Tisch- und Babydecken ihrer Schwiegermutter oder zu klein gewordene Kleider der Enkelin – für die Lumpentaschen hat sie alle Stoffe verarbeitet, die sich mit den Jahren bei ihr angesammelt haben.

Die Idee für die Taschen kam Inge Lüdtke vor einigen Wochen durch Zufall bei einem für sie irritierenden Erlebnis: Ihre Tochter brachte ihr vier Säcke mit ausgedienter Kleidung, teilweise noch ungetragen und mit Preisschildern. „Ich wollte die Sachen nicht einfach wegwerfen“, erzählt Inge Lüdtke, die daraufhin in ein Asylbewerberheim geht und die Kleidung den dortigen Bewohnern anbietet. „Aber niemand wollte sie haben. Da waren zwei Mädchen, 14 oder 15 Jahre alt, die gesagt haben, dass sie keine Lumpen wollen.“

Verwundert und mit einer Portion Trotz entschied Inge Lüdtke daraufhin, aus den Kleidern und den anderen Stoffen Taschen zu nähen – und diese, angelehnt an die Bemerkung der Mädchen, Lumpentaschen zu nennen. „Nachdem 50 Stück fertig waren, ist meine Nähmaschine kaputt gegangen“, erinnert sich die Hobby-Näherin. Sofort habe sie sich eine neue gekauft, denn Inge Lüdtke näht die Taschen für den guten Zweck: „Erst wollte ich die fertigen Taschen einfach in der Fußgängerzone verschenken“, erinnert sie sich.

Ich garantiere, dass keine Naht gerade ist.

Inge Lüdtke

Doch ihre Tochter habe sie auf die Idee gebracht, mit den Lumpentaschen einen guten Zweck zu unterstützen. „Jeder, der eine Tasche haben möchte, kann so viel zahlen, wie er möchte“, erklärt die Oldenstädterin. Jeden Euro, den sie so einnimmt, spendet sie an den Hamburger Verein „Kinder Palliativ Care Team“. Der ermöglicht es todkranken Kindern, ihre letzten Monate zuhause bei ihren Familien anstatt in einem Hospiz zu verbringen und so weiter am Leben teilzunehmen.

Dieses Ziel vor Augen, geht die 61-Jährige in jeder freien Minute ihrem Hobby nach. „Mein Mann meckert schon, weil das Bügelbrett seit Wochen im Wohnzimmer steht“, erzählt Inge Lüdtke schmunzelnd, denn das braucht sie, um abends beim Fernsehen die Henkel für ihre Taschen zu bügeln.

Eine Stunde braucht sie, um eine Tasche zu nähen. Dabei beweist sie viel Liebe fürs Detail, bringt kleine Anhänger an oder einen Verschluss, an dem Schlüssel eingehängt werden können. Mittlerweile sind es über 60 Taschen – und ein Ende ist nicht in Sicht.

Die Lumpentaschen werden am morgigen Mittwoch bei der Wiedereröffnung des Dolomiti Eiscafés an der Veerßer Straße ausgestellt. Wer eine haben möchte, muss nur in eine Liste eintragen, wie viel er bezahlt hat, damit Inge Lüdtke nachweisen kann, wie hoch die Spendensumme ist, die ihre Taschen erzielt haben.

Ein Freund hat bereits angekündigt, gleich fünf Lumpentaschen haben zu wollen. „Er will darin in diesem Jahr die Weihnachtsgeschenke für seine Familie überreichen“, freut sie sich.

Von Sandra Hackenberg

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