Ungewöhnliche Wege

„Herr Meyer, bitte kommen Sie zur Information, Herr Meyer bitte. “ Ausgerufen werden, das kennen wir vom Bahnhof oder vom Flughafen. Doch wer lässt uns rufen? Wer steht wohl da und wartet?.

Ähnliches ist dem Petrus passiert: Ein Aufruf mit nur einem einzigen Wort von Jesus: „Komm!“ Und Petrus steigt aus seinem Boot, geht hinaus aufs Wasser. Ganz schön mutig erst mal. Aber dann verlässt ihn auch schon der Mut. Und gleich droht er zu versinken. „Herr, rette mich!“ Sofort streckt Jesus die Hand aus, und sie sind beide im sicheren Boot. So steht es im Matthäusevangelium Kapitel 14, Vers 22-32.

Wir sind nicht Petrus und teilen nicht seine Erfahrungen. Was wir aber sehr wohl erleben, wenn wir ungewöhnliche Wege gehen: Manchmal haben wir erstaunlich viel Kraft, mehr als wir uns selber zugetraut hätten. Und dann wieder sind wir mit unserem Latein am Ende, schneller als uns lieb ist. Eine vertraute Umgebung verlassen; die Arbeit verlieren und ganz von vorne wieder anfangen müssen; vom Freund oder von der Partnerin verlassen werden und sich selber nicht mehr zurecht finden: das alles sind doch ganz ähnliche Erfahrungen wie die, die Petrus macht.

Er war ein Fischer, der sich auf seinem See und in seinem Boot auskannte. Dann kommt dieser Jesus und nimmt ihn einfach mit: „Komm!“ Und Petrus geht mit, weg von seiner vertrauten Umgebung, weg von seinen Sicherheiten. Wie oft hat er wohl das Gefühl gehabt, dass er versinkt in all dem Neuen, dass er mit Jesus erlebt. Aber er hat bei Jesus auch eine ganz neue Art von Geborgenheit erlebt, die gewisser ist als alles, was er vorher hatte. So, als ob er auch über das Wasser gehen könnte.

Wenn uns das Leben herausruft aus unseren Sicherheiten, dann sollen wir glauben können, dass dahinter Gottes Ruf steckt. Dass Gott uns seine Hand entgegenreckt, wenn wir uns nach ihm ausstrecken. Dass er uns hineinruft in eine neue Geborgenheit, die uns die Sicherheit gibt, die wir brauchen. So, als ob wir auch über das Wasser gehen könnten.

Hermann Charbonnier ist

Pastor in Holdenstedt. Das Wort zum Sonntag finden Sie auch im Internet unter az-online.de/lokales/kolumnen

Von Hermann Charbonnier

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