Polizei warnt vor Trickdieben / Riesen-Repertoire an Täuschungsmanövern

Unerwünschte Hausbesuche

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Bei Fremden vor der Haustür ist Vorsicht geboten: Im Zweifelsfalle sollte dem Besucher der Zutritt verwehrt bleiben.

kt Uelzen. Vortäuschen, ablenken, zugreifen – mit diesem simplen Schema sind Trickdiebe nach wie vor äußerst erfolgreich. Auch arglose Uelzener gehen den Gaunern immer wieder auf den Leim.

Die Täter sind nicht nur in Fußgängerzonen unterwegs, auch Hausbesuche gehören zu ihrem Repertoire: „Trickdiebstahl in Wohnungen ist nach dem Taschendiebstahl auf der Straße die vermutlich häufigste Straftat, von der ältere Menschen betroffen sind“, berichtet Polizeisprecher Kai Richter.

Das letzte Beispiel ist gerade einmal zwei Tage her: Am Donnerstag Nachmittag klingelte ein Mann, der vorgab, Fernsehtechniker zu sein, an der Tür einer Seniorin in Bad Bevensen. Er bat um Einlass, da er den Fernsehanschlusses der Dame kontrollieren wolle. Da die Rentnerin keinerlei Kenntnis von dem angeblichen Vorhaben hatte, reagierte sie intuitiv richtig und verweigerte dem unangemeldeten Besucher den Zutritt zum Wohnhaus.

„Mehr als ein Dutzend solcher Fälle gab es im Landkreis Uelzen allein im laufenden Jahr“, weiß Richter. Opfer seien fast ausschließlich ältere, teils hochbetagte Menschen. Die Täuschungsmanöver, um sich Zutritt in den Wohnbereich zu verschaffen, sind vielfältig, lassen sich jedoch in drei Grundmuster einteilen:

• Das Vortäuschen einer offiziellen Funktion, die den Täter vermeintlich zum Betreten der Wohnung berechtigt,

• das Vortäuschen einer Notlage, die scheinbar eine Hilfeleistung oder Unterstützung durch das Opfer in der Wohnung erfordert oder

• das Vortäuschen einer persönlichen Beziehung zum Opfer, die eine Einladung zum Betreten der Wohnung nahe legt.

Außerdem zeichnen sich bestimmte Vorlieben ab: „Im Gegensatz zu ausländischen Tätern täuschen deutsche eher eine offizielle Funktion oder sonst eine Befugnis zum Betreten der Wohnung vor“, so Richter, der eine ganze Reihe an Beispielen parat hat: „Sie kommen angeblich als Handwerker, von den Elektrizitäts-, Gas- oder Wasserwerken, von der Hausverwaltung, von der Kirche, von der Rentenversicherung oder Krankenkasse, von der Polizei, von der Post oder vom Sozialamt.“

Auch bei den vorgeblichen Notlagen sind die Diebe erfinderisch: Sie täuschen zum Beispiel eine Schwangerschaft, Übelkeit oder die Notwendigkeit einer Arzneimitteleinnahme vor und bitten um ein Glas Wasser. Oder sie wollen für angeblich nicht angetroffene Nachbarn eine Nachricht hinterlassen, Blumen oder ein Geschenk abgeben und nutzen diesen Vorwand, um in die Wohnung zu gelangen. Auch ein angeblicher Rohrbruch, ausgebüxste Haustiere oder schlicht die Benutzung der Toilette werden vorgeschoben. Oder es wird dramatisch, wenn wegen einer angeblichen Autopanne, eines Unfalls oder einer Erkrankung gefragt wird, ob man von der Wohnung aus Telefonieren dürfe.

Der „Klassiker“ unter den vorgetäuschten persönlichen Beziehungen ist sicherlich der „Enkel-Trick“, doch auch als entfernte Verwandte, ehemalige Kollegen oder Nachbarn, als Pflegepersonal oder Krankenhausbett-Nachbarn treten die Betrüger auf. Als Vorwand dienen häufig angebliche Unglücksnachrichten von Bekannten oder Verwandten.

Manche Trickdiebe sind besonders raffiniert: Sie kündigen ihren Besuch im Vorfeld telefonisch an, um mögliche Bedenken zu zerstreuen und ein Vertrauensverhältnis zum Opfer aufzubauen. Das gilt sowohl für das Vortäuschen einer offiziellen Funktion wie auch der persönlichen Beziehung.

Die Polizei rät darum insbesondere Senioren dazu, äußerst sensibel zu sein und keine Fremden in ihre Wohnung zu lassen. Von Amtspersonen sollte grundsätzlich der Dienstausweis überprüft werden, bei Notlagen genügt das Angebot, selbst nach Hilfe zu telefonieren oder das Gewünschte bei versperrter Tür hinauszureichen.

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