Sportler erklimmt still gelegte Eisenbahnbrücke / Polizei rückt aus

Unerlaubte Kletterpartie

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Uelzen. Eine besondere Herausforderung suchte am Sonnabend ein Hobby-Bergsteiger in Uelzen. Sein Ziel: Die ausgediente Eisenbahnbrücke über dem Elbe-Seitenkanal im Hafenbereich Uelzens.

Doch was für den Sportler und seinen Freund, der ihn am Brückenfuß sicherte, nur eine willkommene Abwechslung werden sollte, erregte zuerst die Aufmerksamkeit aufgeregter Passanten – und dann die der Polizei. Gegen 17 Uhr meldete eine Zeugin bei der Polizei Uelzen in der hereinbrechenden Dunkelheit „verdächtige Gestalten“ im Gitterwerk der Brücke. „Die beiden Männer hatten ihr Fahrzeug an der Hafenstraße abgestellt und waren über den Bahndamm zur Brücke gegangen“, berichtet ein Polizist, der den 46-jährigen Kletterer, der über das Wochenende bei seinem 35-jährigen Freund in Molzen zu Besuch war, vor Ort antraf.

Der Molzener stand unterhalb der Brücke und sicherte seinen Partner ab, der mit professioneller Kletterausrüstung im oberen Bereich der Brücke unterwegs war. Da an der Brücke kein Verbotsschild angebracht ist, gingen die Männer nach Polizeiangaben davon aus, dass sie dort klettern dürften. „Die Brücke ist in der Kletterszene als besonderes Highlight bekannt. Im Landkreis Uelzen gibt es ja sonst nicht so viele Klettermöglichkeiten“, berichtet der 46-jährige ehemalige Uelzener, der inzwischen im Schwarzwald lebt.

Etwa zehn Jahre testet er seine Fähigkeiten bereits in Klettergärten, besondere Herausforderungen wie die ehemalige Eisenbahnbrücke sucht er seit etwa einem Jahr. An der Kanalbrücke habe ihn vor allem die Höhe von etwa 25 Metern gereizt. Angelehnt an die Technik von Industrie- und Baumkletterern habe er nicht das Brückengerüst erklommen, sondern sich an seinem Seil in die Höhe gearbeitet. Dieses hatte er zuvor mit einem besonderen Mantel präpariert, damit es von den scharfen Kanten der Brücke nicht durchgescheuert wird, an den Schienen befestigt und dann über den Stahlträger geschlagen.

„So etwas kann man wirklich nur mit entsprechender Sicherheitsausrüstung machen“, betont der Kletterer. „Ich möchte niemanden animieren das zu machen.“ Und das aus den genannten Sicherheitsgründen und zudem entsprechend der Rechtslage. Denn anders als er und sein Freund dachten, haben sich die Sportler illegal an der Brücke aufgehalten, wie die Polizei aufklärt: Vor Beginn des sportlichen Ausflugs in luftigen Höhen hätten sie eine Erlaubnis des Eigentümers einholen müssen. „Die beiden waren dann aber sehr einsichtig“, berichtet ein Polizist auf AZ-Nachfrage.

Von Wiebke Brütt

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