Ein unauffälliger Gefangener

Monatelang terrorisierte Tekin A. die Uelzener – in der JVA benimmt er sich

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Weil er gegen Bewährungsauflagen verstieß, sitzt Tekin A. derzeit in der Justizvollzugsanstalt Uelzen – hier soll er ein unauffälliger Insasse sein.

Uelzen – In der Innenstadt hatte er fast täglich Passanten belästigt, Geschäftsleute terrorisiert, einen Polizisten schwer verletzt und zum Schluss sogar versucht, eine Fünfjährige, die im Rollstuhl sitzt, zum Trinken von Schnaps zu verleiten – seit nunmehr einem Monat sitzt Tekin A. im Gefängnis.

Und aus Justizkreisen heißt es, der 37-Jähriger sei ein unauffälliger Insasse in der Justizvollzugsanstalt Uelzen. .

Derweil kommt auf den türkischen Staatsangehörigen gleich eine ganze Flut von Anklagen zu. 18 Delikte wie Körperverletzung, Beleidigung, Bedrohung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz würden dem 37-Jährigen vorgeworfen, erklärt Uelzens Amtsgerichtsdirektor Andreas Borchers auf AZ-Nachfrage.

Im Gefängnis sitzt A. aktuell aber wegen Steuerhinterziehung. Das Amtsgericht Lüneburg hatte ihn im Sommer 2018 zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt, weil er aus seiner Zeit als Betreiber eines Paketdienstes rund 245.000 Euro nicht gezahlt haben soll. Da er gegen die Bewährungsauflagen verstieß, sitzt er nun in Haft.

Derweil hat die für die elf neuen Anklagen zuständige Uelzener Amtsrichterin ein psychiatrisches Gutachten über die Schuldfähigkeit von Tekin A. erstellen lassen. Über das Ergebnis gibt das Gericht keine Auskunft. Die Anklagen sollen, um diese Expertise ergänzt, aber nächste Woche zurück an die Staatsanwaltschaft Lüneburg gehen, die sich dann mit der Frage beschäftigt, ob die Anklagen statt vor einer Einzelrichterin doch vor dem Uelzener Schöffengericht verhandelt werden sollen. Aber auch ein Prozess vor dem Landgericht Lüneburg sei eine Option, erklärt Borchers. Denn das Uelzener Gericht darf höchstens vier Jahre Gefängnis verhängen.

VON THOMAS MITZLAFF

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