Mehr Fälle von Verstößen bei Ruhe- und Lenkzeiten im Berufskraftverkehr

Umsatz statt Sicherheit ?

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Lkw-Fahrer müssen nach viereinhalb Stunden Pause machen.

Uelzen. Sekunden entscheiden über Leben und Tod, wenn die Müdigkeit Auto-, Bus- oder Lkw-Fahrer überfällt. Für Berufskraftfahrer gelten aus diesem Grund strenge Vorgaben für Lenk- und Ruhezeiten. Länger als viereinhalb Stunden dürfen sie nicht am Stück unterwegs sein.

Das Gewerbeaufsichtsamt in Lüneburg kontrolliert – neben der Polizei – in der Region, ob sich die Fahrer daran halten. Das Ergebnis: In den vergangenen Jahren ist die Zahl der ermittelten Verstöße im Aufsichtsbezirk des Amtes – die Landkreise Uelzen, Lüchow-Dannenberg, Harburg und Lüneburg – gestiegen. Christina von Mirbach, Pressesprecherin des Gewerbeaufsichtsamtes, schränkt jedoch ein, die Entwicklung sei nicht allein Folge von mehr Fällen, bei denen Kraftfahrer länger als erlaubt unterwegs gewesen seien. Kontrolliert würde die gesamte Bandbreite der Sozialvorschriften von A wie Arbeitszeiten bis Z wie Zweitfahrerbesatzung.

Kommt es zu Verstößen, die das Gewerbeaufsichtsamt bei Kontrollen aufdeckt, haben Berufskraftfahrer wie Unternehmen mit Strafen zu rechnen, die in empfindlicher Höhe ausfallen können. „Werden mehrere Verstöße gleichzeitig geahndet, kommen schnell Summen im 1000er Bereich zusammen“, so von Mirbach. Rund 300 Bußgelder seien im Amtsbezirk im Jahr 2013 ausgesprochen worden.

Das Berufskraftfahrer-Qualifikations-Gesetz soll dabei helfen, dass die Berufskraftfahrer sich stärker an die Ruhe- und Lenkzeiten halten und damit für Sicherheit sorgen. Darin verankert: Bis zum 10. September dieses Jahres haben Fahrer eine fünftägige Schulung dazu nachzuweisen. Fahrlehrer hatten so in den vergangenen Monaten großen Zulauf – auch Siegfried Franz aus Uelzen. Aus Gesprächen mit den Berufskraftfahrern weiß er, dass die Verstöße immer wieder auf Vorgaben von von Arbeitgebern zurückgehen: „Es gibt viele Fahrer, die berichteten, dass sie gegen Lenk- und Ruhezeiten verstoßen, weil der Druck so groß ist“, so Franz. Die Arbeitnehmer würden sich dabei in der misslichen Situation befinden, dass sie sich einerseits an gesetzliche Richtlinien zu halten hätten, andererseits, aus Furcht den Job zu verlieren, auch Terminvereinbarungen erfüllen wollen. Franz: „Das Wissen aus den Schulungen soll die Fahrer stärken.“ Das Gewerbeaufsichtsamt hofft, dass sich mit dem Gesetz die Anzahl der Verstöße verringert.

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