Vom Onkel zum Triebtäter

Oft aus dem Umfeld: 15 Kinder wurden 2018 in Uelzen missbraucht

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Wird ein Kind missbraucht, kommt der Täter oft aus der Familie oder dem nahen Umfeld.

Uelzen/Landkreis – Nur weil die Gesellschaft gerne vor einem Thema die Augen verschließt, heißt das nicht, dass es nicht existiert: 15 Kinder wurden im Landkreis Uelzen im vergangenen Jahr Opfer von sexuellem Missbrauch. Das sind genauso viele wie im Jahr zuvor.

Somit traf im Kreisgebiet jedes vierte Sexualdelikt im zurückliegenden Jahr ein Kind.

Und: Die Dunkelziffer ist hoch. Laut Statistik ist jeder zwölfte Junge und jedes dritte bis sechste Mädchen betroffen. Kai Richter von der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen berichtet: „Dass die Taten von einem Fremden begangen werden, ist die Ausnahme. Rund 90 Prozent der Täter kommen aus der Familie oder dem näheren Umfeld.“

Der nette Onkel, der Reit- oder Fußballtrainer, der Lehrer – häufig sind die Täter den Kindern und Familien gut bekannt und haben sogar deren Vertrauen. Kerstin Kremer von der Fachberatungsstelle Violetta für sexuell missbrauchte Mädchen und Frauen aus Hannover erklärt, dass genau das die gängige Praxis ist: „Die Täter gehen strategisch vor. Oft handelt es sich um angesehene Personen, die großen Respekt genießen.“ Kommen dann Gerüchte auf, kann sich häufig niemand im Umfeld vorstellen, dass derjenige ein Kind missbrauchen würde.

Zu der Masche der Täter gehört es auch, Abhängigkeiten zu schaffen: „Wenn du etwas sagst, darfst du das Pferd nicht mehr reiten“, „Dann bekommst du eine schlechte Note“ oder „Ich stelle dich beim nächsten Spiel nicht mehr auf“ sind typische Sätze, mit denen die Kinder unter Druck gesetzt werden. Die Expertin fordert, dass sexueller Missbrauch nicht länger tabuisiert werden darf.

VON SANDRA HACKENBERG

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