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Ukraine-Krieg: Ruf nach mehr Getreide-Aussaat im Landkreis Uelzen

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Von: Norman Reuter

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Ein Landwirt fährt mit seinem Trecker samt angehängter Sämaschine bei Wriedel im Kreis Uelzen (Niedersachsen) über ein Feld und sät Sommergerste.
Ein Landwirt fährt mit seinem Trecker samt angehängter Sämaschine bei Wriedel im Kreis Uelzen (Niedersachsen) über ein Feld und sät Sommergerste. © dpa

Bauern säen in diesen Tagen Getreide auf Feldern im Landkreis Uelzen aus. Beispielsweise Gerste oder Weizen werden ausgebracht. Kreislandwirt Thorsten Riggert macht sich angesichts des Ukraine-Krieges dafür stark, dass auch Brachflächen genutzt werden, damit ausreichend Getreide im Weltmarkt zur Verfügung steht. Zwar müsse Deutschland nicht mit größeren Engpässen rechnen, andere Länder aber sehr wohl.

Uelzen/Landkreis – Kreislandwirt Thorsten Riggert spricht sich gegenüber der AZ dafür aus, dass angesichts der anhaltenden Kämpfe in der Ukraine und der Sanktionen gegen Russland hierzulande brachliegende Ackerflächen bestellt werden, damit auch weiterhin ausreichende Mengen an Getreide zur Verfügung stehen. Zwar habe Deutschland nicht mit größeren Engpässen bei der Versorgung zu rechnen, dafür aber andere Länder. Riggert nennt Ägypten, Indonesien, Algerien oder die Türkei als Beispiele – diese Länder waren bislang große Importeure von Getreide aus der Ukraine und Russland.

Allein für Ägypten war 2021 und 2022 nach Zahlen, die das Landvolk Mittelweser jetzt veröffentlicht hat, eine Getreideliefermenge von 13 Millionen Tonnen vorgesehen. „Die Häfen in der Ukraine sind zerbombt. Da legt kein Schiff mehr ab“, so Riggert.

Deutschen Landwirten gehe es nicht darum, in der Krise einen Reibach zu machen, sagt er. „Wir haben vielmehr eine globale Verantwortung.“ Der Kreislandwirt kritisiert Agrarminister Cem Özdemir. Nur auf Deutschland zu schauen und festzustellen, dass hier keine Versorgungslücke entstehe, greife zu kurz.

Und gänzlich spurlos werde die Lage auch an Deutschland nicht vorbeigehen, erklärt Riggert. Die Ukraine gilt als Kornkammer Europas. Das ist den guten Böden dort geschuldet. „Mühlen kaufen hochwertigen Weizen aus der Ukraine.“ Fehle dieser, könnten sich die Bestände in den Mehlregalen hierzulande lichten.

Im Landkreis Uelzen werden rund 65 000 Hektar von Landwirten bewirtschaftet, etwa 25 000 Hektar dienen nach Auskunft Riggerts dem Getreide-Anbau. Potenzial, mehr Getreide anzubauen, existiere durch Flächen, die auf Geheiß der EU brachliegen oder als Blühstreifen verwendet würden.

Mit der Brache wie auch mit den Blühstreifen soll Insekten und Tieren zusätzlicher Lebensraum und Nahrung geboten werden. Wie Riggert schildert, sollen demnach vier Prozent der Flächen eines landwirtschaftlichen Betriebs aktuell nicht bestellt werden. Cem Özdemir, den die Rufe, brachliegende Flächen angesichts des Ukraine-Krieges zu bewirtschaften, nicht nur aus Uelzen ereilen, reagierte bereits laut einem Bericht der Deutschen Presseagentur (dpa): „Auch wenn manche das gerne ausblenden, Klimakatastrophe und Artensterben sind real existierende Probleme, die wir lösen müssen“, erklärte er.

Riggert findet: „Wir haben jetzt die Krise, mit der wir umgehen müssen.“ Und noch einmal: Würde nur auf Deutschland geschaut, müsse Cem Özdemir erklären, warum in anderen Ländern Menschen hungerten oder extrem viel für Lebensmittel zu bezahlen hätten.

Nach den Worten des Kreislandwirts ist es „problemlos“ möglich, die brachliegenden Flächen zu bewirtschaften. „Da sind wir sehr flexibel.“ Aber die Zeit drängt: Die Aussaat läuft aktuell, damit im August das Getreide von den Feldern geholt werden kann. „Es muss jetzt bestellt werden“, so Riggert.

Eine andere Option aus Sicht Riggerts, um die Getreidemengen zu erhöhen, ist die Erlaubnis, einmal mehr als sonst die Felder beregnen zu dürfen. „Das bringt 10 Prozent mehr Ertrag“, so Riggert. Er findet, die Mengen an zur Verfügung stehendem Grundwasser geben das her. Nur 25 Prozent des Grundwassers, das sich im Jahr ansammele, sei aktuell für eine Entnahme vorgesehen. „Wir sind also weit davon entfernt, die Badewanne leerzupumpen.“

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