Ganz knappe Mehrheit im Stadtrat für Sonderregelung für Grundschulen Molzen und Veerßen

Uelzens Politik weicht Schulbezirke auf

+
Der Förderverein der Grundschule Veerßen kann weiterarbeiten. Durch die Änderung der Schulbezirkssatzung können ab kommenden Schuljahr auch Kinder aus anderen Stadtteilen die Schule besuchen.

Uelzen. Jetzt also doch: Die Schulbezirke von Molzen und Veerßen werden vergrößert. Profitieren sollen davon die beiden kleinen Grundschulen in den Orten. Das beschloss nach ebenso ausführlicher wie kontroverser Diskussion der Stadtrat am Montagabend.

Zuvor hatte sich schon der Schulausschuss dafür ausgesprochen, das Votum wurde aber im Verwaltungsausschuss wieder gekippt.

Passend dazu:

Zwei Uelzener Grundschulen in der Warteschleife

Ob das Votum die Schuldiskussion beendet hat, ist nicht sicher. Es könne sein, dass der Kreis den Beschluss beanstandet, so Bürgermeister Jürgen Markwardt. Da laut Ratsbeschluss nun auch Eltern aus anderen Uelzener Stadtteilen ihre Kinder auf die weiterhin Nicht-Ganztags-Grundschulen in Veerßen und Molzen schicken dürfen, hat das Auswirkungen auf die Beförderungskosten, deren Träger der Kreis ist. Und der hat im Vorfeld in einer Stellungnahme bereits seine Ablehnung hinsichtlich der Aufweichung der Schulbezirke formuliert.

Erster Stadtrat Dr. Florian Ebeling machte eine Beispielsrechnung auf. Würden zehn weitere Schüler aus anderen Stadtteilen jeweils die Schulen in Veerßen und Molzen besuchen, entstünden zusätzliche Beförderungskosten von rund 100 000 Euro pro Schuljahr. Die könne der Landkreis auf die Stadt abwälzen. Stefan Hüdepohl, Gruppenvorsitzender CDU/Grüne, nannte die gegriffenen Zahlen „einen Blick in die Glaskugel“.

Mit 19 Ja- gegen 18 Nein-Stimmen erhielt der entsprechende Antrag der Gruppe CDU/Grüne die knappste Mehrheit überhaupt. Der Bürgermeister begründete sein Nein auch damit, dass das Schulgesetz Ausnahmetatbestände von den Schulbezirken zulasse.

Henning Gröfke (CDU/Grüne und Ortsbürgermeister von Molzen) betonte, dass die Schule für Molzen mehr sei als nur eine Bildungseinrichtung. Bei Beibehalten der Schulbezirke drohe das Aus der Schule. „Die Schule ist der nicht zu ersetzende kulturelle Mittelpunkt des Ortes. Sie eröffnet Chancen. Geben Sie den Eltern die Chance“. Schulexperten betonten immer wieder die Notwendigkeit kleiner Schulen, so Gröfke. Und: Niemand wisse, wie viele schulpflichtige Flüchtlingskinder es irgendwann in Uelzen geben werde. „Vielleicht sind wir in einigen Monaten froh um jede Schule, die wir haben.“ Jörg Kramer (SPD/UWG) sagte, dass ein Votum gegen den Antrag, sich nicht gegen die beiden Schulen als solche richte. „Wer gegen den Antrag ist, stimmt gegen Ausnahmetatbestände.“

Ebeling rechnete zu Beginn der Debatte noch vor, dass zusätzliche Anmeldungen in Veerßen, die Zweizügigkeit der Grundschule nach sich ziehen könnte. Dann müsste unter Umständen angebaut werden. Je nach Variante entstünden Kosten von 200 000 oder gar 350 000 Euro. Alternative: Musik- und Werkraum werden zu Klassenräumen umfunktioniert (24 800 Euro).

Von Jens Schopp

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare