Lockdown lässt Träume platzen

Wie Uelzens Obdachlosenunterkunft Corona und die Weihnachtszeit erlebt

Hedda Neumann von der Diakonie ist in der Obdachlosenunterkunft Im Böh im Einsatz und hat stets ein offenes Ohr für Fragen, Sorgen und Erlebnisse der Bewohner.
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Hedda Neumann von der Diakonie ist in der Obdachlosenunterkunft Im Böh im Einsatz und hat stets ein offenes Ohr für Fragen, Sorgen und Erlebnisse der Bewohner.
  • Daniel Bieling
    vonDaniel Bieling
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Uelzen – „Meine Erkenntnis ist: Es kann jeden treffen. “ Der 42-jährige Stephan redet offen über Schicksalsschläge, die ihn in die Uelzener Obdachlosenunterkunft Im Böh geführt haben. Scheidung, falsche Freundinnen, Jobverlust, soziale Isolation.

Seit sieben Wochen wohne er jetzt schon in der Einrichtung, für die er sehr dankbar sei.

„Ich bin hierher gekommen und war richtig down“, berichtet Stephan. Die Mitarbeiter hätten ihn aber wieder gut aufgefangen. „Wenn es die nicht gäbe, dann würde es hier ganz schön düster aussehen“, meint der 42-Jährige.

Eine dieser Sozialarbeiterinnen ist Hedda Neumann. Diese hat für die Bewohner der Unterkunft stets ein offenes Ohr und unterstützt nach Kräften etwa bei Behördengängen oder der Wohnungssuche. 32 Bewohner zählt die Einrichtung aktuell. „So viele waren hier noch nie“, sagt Neumann.

Die Gründe dafür seien vielfältig: Räumungsklagen, Entlassungen aus der JVA oder auch Beziehungsstreitigkeiten. Viele hätten danach Schwierigkeiten, eine Wohnung zu finden – auch wegen Vorurteilen von Vermietern. Natürlich gebe es auch Personen mit zum Beispiel Alkoholproblemen, aber die meisten seien nette Leute, „die aus Schicksalsschlägen hier gelandet sind“, schildert Neumann.

Ein aktueller weiterer Problempunkt ist die Corona-Krise. So darf zum Beispiel der Gruppenraum nicht betreten werden, das regelmäßige gemeinsame Frühstück oder Mittagessen fällt aus. Als kleiner Treffpunkt fungiert seitdem das Fenster des Gruppenraums, aus dem Neumann und ihre Kollegen täglich Kaffee ausschenken. Dies sei eine wichtige Tagesstruktur für die Bewohner und auch Einfallstor, um Fragen zu stellen und sich auszutauschen, berichtet Neumann.

So auch für diesen Bewohner, der von seinen Erfahrungen mit der Corona-Krise berichtet. Bis Ende Oktober habe er in einem Restaurant gearbeitet und hätte im Dezember auch eine eigene Wohnung bekommen. Das Virus machte jedoch einen Strich durch die Rechnung: „Dann kam der Lockdown und alles ist geplatzt.“

Neben Corona sei auch Weihnachten ein wichtiges Thema, berichtet Hedda Neumann. Viele würden zu der Zeit anfangen, über ihre Familie und ihre Situation nachzudenken. Ablenkung soll eine Weihnachtsfeier mit Ente essen und gemeinsamem Singen schaffen. „Das sind so Sachen, die für einen selbstverständlich sind. Aber wenn man hier alleine kämpfen muss, dann merkt man, wie wichtig das ist“, weiß Neumann.

Ähnlich denkt auch der 42-jährige Stephan. Der Umzug in die Obdachlosenunterkunft sei eine große Umstellung gewesen. Inzwischen habe er aber wieder mehr Kontakt zu seiner Familie geknüpft. Dies sei ihm sehr wichtig – gerade zur Weihnachtszeit.

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