Uelzens neue Währung

100 Lunar haben einen Wert von 100 Euro, aber sie müssen zügig ausgegeben werden.

Uelzen - Von Christine Kohnke. Sie sind grün, magenta, gelb, rot oder blau und sie reichen von Eins bis Zwanzig – die neuen Geldscheine für die Region. Die bunten Scheine heißen „Lunar“, und sie werden demnächst als eigenes Zahlungsmittel für Nordostniedersachsen in Umlauf für Unternehmen und Verbraucher sein. Ansatz ist, die örtliche Wirtschaft zu beflügeln und ein Netzwerk heimischer Unternehmen entstehen zu lassen. Auf der Lüneburger Umweltmesse, die heute und morgen im Clamartpark stattfindet, soll die neue Komplementärwährung erstmals der Öffentlichkeit präsentiert werden. Offizieller Start des Regiogeldes auch in Uelzen ist der 1. Juli.

„Wir haben uns intensiv mit bereits bestehenden Regionalwährungen auseinandergesetzt“, erläutert Horst Jäger, Geschäftsführer des Vereins Regio Lunar. Ähnliche Projekte laufen bereits erfolgreich in mehreren Bundesländern, etwa der Roland in Bremen oder der Urstromtaler in der Salzwedeler Gegend. Das erfolgreichste Beispiel ist der Chiemgauer in Bayern, der seit neun Jahren existiert.

„Für uns ist es auch wichtig, auf diese Weise ein Stück Unabhängigkeit von der Welt der Banken und Großfinanzen zu schaffen“, ergänzt Horst Jäger, der mit einer Handvoll Mitstreiter vor drei Jahren den Lunar-Verein gründete. Gemeinsam entwickelte man ein eigenes Währungssystem.

Das Prinzip ist einfach: Ein Lunar ist einen Euro wert, gedeckt ist die Komplementärwährung ebenfalls über den Euro. Damit der Lunar zügig wieder ausgegeben wird, sinkt sein Wert allerdings nach sechs Monaten. Wer ihn nicht in Umlauf hält, macht also Verlust. Das ist gewollt: „Das Geld soll nicht gehortet werden, sondern es soll sich drehen. Über das Netzwerk teilnehmender Unternehmen bleibt es überdies in der Region, kurbelt lokale Kreisläufe an und fördert so die hiesige Wirtschaft“, erklärt Horst Jäger. Drei Prozent des Umsatzes sollen örtlichen Vereinen zukommen. Im Chiemgau konnten auf diese Weise bereits 100 000 Euro für gemeinnützige Zwecke zur Verfügung gestellt werden.

30 Unternehmen aus der Lüneburger Gegend haben ihre Teilnahme bereits angemeldet, und auch aus den Landkreisen Uelzen und Lüchow-Dannenberg wurde Interesse signalisiert: „Wir befürworten das Projekt und werden auf jeden Fall dabei sein“, so Steffen Löwe, der gemeinsam mit seiner Frau Martina das Unternehmen Löwe Naturmöbel in Bollensen führt.

In Lüneburg haben sich unter anderem Weinfass Wabnitz, Dimkes Bauart, der Eine-Welt-Laden, das Theater im e.novum, Naturkostläden und mehrere Restaurants angemeldet. Für die teilnehmenden Firmen wurde ein Wirtschaftsring gegründet, der es dann auch möglich machen wird, den Lunar als Tauschmittel zu verwenden. „Unternehmen könnten Leistungen untereinander per Lunar abwickeln und diesen natürlich auch für den Ankauf von Waren nutzen“, schlägt Jäger vor.

Selbstverständlich kann auch der Verbraucher mit Lunar bezahlen. Geschäftsleute zahlen für ihren Eintritt in den Wirtschaftsring einmalig 60 Euro, für Verbraucher bleibt der Tausch gebührenfrei – sie bekommen für 100 Euro 100 Lunar. Getauscht werden kann in einigen der teilnehmenden Geschäfte.

Übrigens: Der Lunar ist fälschungssicher. „Die Geldscheine sind aus leinenstrukturiertem Papier, sie besitzen eine Prägung und sind nummeriert“, sagt Wolfgang Bütow, der die Scheine entworfen hat. Die Auftaktfinanzierung erfolgt über Sponsoren, die auf der Rückseite der Scheine werben.

Für die Zukunft haben sich Horst Jäger und seine Mitstreiter viel vorgenommen: „Wenn es gut läuft, könnten wir Mikrokredite bis 5000 Euro ausgeben. Das funktioniert in anderen Gegenden auch“, so Horst Jäger. Außerdem könnte eine zweite Deckung über das Erbringen von Leistungen eingeführt werden.

Einen Infostand zum Lunar wird es auf dem Elbekirchentag am 12. und 13. Juni in Hitzacker und auf dem Gerdautaler Bauernmarkt am 15. August in Böddenstedt geben. Weitere Infos unter http://www.regio-lunar.de.

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