Ein Jahr Chef im Pandemie-Modus

So bewertet Uelzens Landrat Dr. Heiko Blume den Kampf gegen das Coronavirus

Uelzens Landrat Dr. Heiko Blume bei der Arbeit an seinem Schreibtisch.
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Uelzens Landrat Dr. Heiko Blume – „qua Amt“ nun schon seit fast einem Jahr verantwortlich für die Bewältigung der Corona-Pandemie im Landkreis Uelzen.
  • Lars Becker
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Uelzen/Landkreis – Seit fast einem Jahr ist Landrat Dr. Heiko Blume „qua Amt“ nun schon verantwortlich für die Bewältigung der Corona-Pandemie im Landkreis Uelzen.

Am Samstag (13. Februar) feierte der Chef der Kreisverwaltung mit CDU-Parteibuch seinen 54. Geburtstag. Wir haben ihn gebeten, Anläufe von Sätzen zu vervollständigen. Die drehen sich um die Themen Infektionsgeschehen, Impfung, Gesundheitsamt, Lockdown, aber auch Schullandschaft, Transparenz bei der Öffentlichkeitsarbeit sowie Kritik an ihm und der Verwaltung.

Vom lange Zeit noch glimpflich davongekommenen Landkreis zur Region Niedersachsens mit dem zwischenzeitlich höchsten Inzidenzwert: Die Dynamik des Infektionsgeschehens…
Blume: ...zeigt, dass der Landkreis Uelzen keine Insel in dieser weltweiten Pandemie ist. Wir haben zurzeit eine Situation, wie sie viele andere Landkreise auch in Niedersachsen bereits letztes Jahr hatten.

Die Bewältigung der Pandemie im Landkreis bisher bewerte ich als…
...strukturiert und professionell. Sie ist ein Kraftakt, der zudem viel Geduld erfordert. Für diese Gemeinschaftsleistung möchte ich allen Dank sagen, die hier aktiv mitgewirkt haben – wie zum Beispiel den vielen Menschen im pflegerischen Bereich und Gesundheitswesen und den Mitarbeitenden im Gesundheitsamt und in der Landkreisverwaltung. Aber auch den vielen Bürgerinnen und Bürgern, die nun schon so lange Zeit die Hygienemaßnahmen und Abstandsgebote einhalten und die Kontaktbeschränkungen beachten.

Wenn ich mir selbst eine Schulnote für meine Rolle als oberster Krisenmanager geben müsste, dann…
...wäre eine solche Einschätzung rein subjektiv und hätte damit ohnehin keine Aussagekraft. Außerdem bin ich überzeugt, dass sich die Menschen in dieser Frage ein eigenes Urteil bilden können. Ich bin allerdings – das möchte ich an dieser Stelle schon deutlich zum Ausdruck bringen – überzeugt, mit der Unterstützung zahlreicher weiterer Verantwortlicher tagtäglich mein Bestes zu geben, um die Ausbreitung des Virus möglichst stark einzudämmen und die Folgen für die Menschen in unserem Landkreis so gering wie möglich zu halten. Über weite Strecken ist uns dies auch gelungen! Dennoch gibt es – neben Anerkennung – zweifellos immer auch Anlass zu berechtigter Kritik. Ich versuche, gemeinsam mit meinem Team solch sachliche Kritik zu prüfen und – sollte es uns gemeinsam sinnvoll erscheinen – das Vorgehen anzupassen.

Dass über soziale Netzwerke, aber auch per Telefon und E-Mail teilweise unsachliche Kritik auf mich persönlich und die Kreisverwaltung einprasselt…
...kann ich aushalten und gehört zwangsläufig zu meiner Tätigkeit. Nicht akzeptieren kann ich jedoch unsachliche Kritik, die sich an die Beschäftigten des Landkreises und des Gesundheitsamtes richtet. Die Menschen dort machen seit mehr als einem Jahr einen super Job, wobei jeder Tag neue Herausforderungen bringt.

Dass Alten- und Pflegeheime sowie Kliniken teilweise stark vom Ausbruchsgeschehen betroffen waren oder immer noch sind…
...ist eine ernste Entwicklung, wie sie so oder ähnlich in ganz vielen anderen Regionen Deutschlands aufgetreten ist und leider auch mit Todesfällen verbunden ist. Es zeigt zudem, wie wichtig gerade in diesen Bereichen abgestimmte Hygienekonzepte und Maßnahmenabsprachen mit dem Gesundheitsamt sind. Nicht ohne Grund auch zählen Alten- und Pflegheime sowie Kliniken zu den Bereichen, in denen priorisiert zu impfen ist.

Die Gründe für die Corona-Ausbrüche in Alten- und Pflegeheimen sind...
...vielschichtig und liegen zum Teil in der Infektionsanfälligkeit dieses vulnerablen Personenkreises in Abhängigkeit von Vorerkrankungen, dem Alter und dem gemeinschaftlichen Wohnen und auch den anfänglich fehlenden Impfungen. Aber auch das individuelle Verhalten jedes Einzelnen kann dazu beitragen. Einen Auslöser wissenschaftlich fundiert festzustellen, ist in einer pandemischen Lage ganz schwer möglich.

Kurz umrissen: Die aktuelle Teststrategie des Landkreises sieht so aus, dass...
...über das Gesundheitsamt regelmäßig mobil Testungen bei symptomlosen Personen in Einrichtungen – wie Alten-Pflegeheimen, Kindergärten oder Schulen sowie direkt im Gesundheitsamt – durchgeführt werden. Personen mit Symptomen werden durch ihre Hausärzte getestet. Getestet wird nach derzeitigem Stand der fachlichen Erkenntnisse des Robert-Koch-Instituts und des Bundesgesundheitsministeriums, basierend auf der Bundestestverordnung. Danach sind sogenannte direkte Kontaktpersonen ersten Grades und Personen zur Ermittlung eines Ausbruchsgeschehens in Einrichtungen oder Personengruppen zu testen. Jede Testung stellt jedoch immer nur eine Momentaufnahme dar und erbringt keine dauerhafte Aussagekraft zur Infektiosität. Die jeweilige Testung schafft jedoch eine wichtige Ermittlungsgrundlage für das Gesundheitsamt zur Kontaktnachverfolgung und Kontaktunterbrechung durch Quarantäne. Dahinter steht die sogenannte Containment-Strategie, bei der es darum geht, Infektionsketten zu erkennen und diese zu unterbrechen.

Dass der Landkreis in Sachen Versorgung mit Impfstoff und dem immerhin auf den 22. Februar vorverlegten Start des Impfzentrums vergleichsweise weit im Hintertreffen ist…
...betrachte ich als eine Ungerechtigkeit im Verteilungsschlüssel des Niedersächsischen Sozialministeriums. Ich habe mich hier stark gemacht, dieses zu ändern, gerade auch vor dem Hintergrund des hiesigen Bevölkerungsschlüssels mit einem im Vergleich höheren Anteil an über 80-Jährigen und Menschen in Alten- und Pflegeheimen.

5 Millionen Euro hat der Landkreis für Infektionsschutz-Maßnahmen bereitgestellt: Ausgegeben wurden davon bisher...
...circa 3,5 Millionen Euro insbesondere für persönliche Schutzausrüstung. Eine detaillierte Abrechnung ist für mich aktuell gegenüber den täglichen Maßnahmen zur Eindämmung des Virus nachrangig. Das Ergebnis wird wesentlich davon abhängen, wie sich im Nachhinein die zu vereinnahmenden Erstattungen tatsächlich darstellen werden. Insofern nageln Sie mich heute nicht auf eine Zahl fest.

Der Beschluss zum Aufkündigen des Zweckverbandes Gesundheitsamt Uelzen/Lüchow-Dannenberg und die Abberufung von Claudius Teske als dessen Geschäftsführer mitten in der Pandemie waren richtig, weil…
Das sind zunächst zwei Dinge, die nichts miteinander zu tun haben. Die Rückführung des Gesundheitsamtes in die Kreisverwaltung zeigt sich gerade in der Pandemiebekämpfung als wichtig. Bei der Abberufung des Geschäftsführers handelt es sich um eine Personalentscheidung der Zweckverbandsversammlung des Zweckverbandes, zu der ich öffentlich keine Stellung nehme.

Corona bremst die Politik aus: Die Entscheidung zur Zukunft der Schullandschaft im Landkreis wird gefällt…
...wenn der Kreistag dieses wünscht, wobei es in der gegenwärtigen pandemischen Lage schwierig ist, das in öffentlicher Sitzung zu beraten. Die Frage bewegt zahlreiche Menschen, die die Möglichkeit haben sollten, an einer solchen Kreistagssitzung teilzunehmen.

Den Informationsfluss zur Hansestadt Uelzen, den Samt- und Einheitsgemeinden sowie zur Kreispolitik empfinde ich in dieser schwierigen Zeit als...
...gleichermaßen wichtig wie auch sichergestellt.

Vorwürfen, dass das Krisenmanagement im Landkreis und die Informationspolitik der Kreisverwaltung nicht transparent genug sind…
...muss ich widersprechen. Ich halte das Kommunikationsverhalten des Landkreises für mehr als ausgeprägt, für das uns auch häufig Lob erreicht. Jeder von uns hat sicherlich eine Vorstellung, wie die Corona-Bekämpfung laufen sollte. Die Bekämpfung ist dabei geprägt von sich wöchentlich, teils täglich ändernden Zwängen von Bund und Land als übergeordneten Stellen und den örtlichen Verhältnissen. Der Krisenstab setzt sich intensiv mit einer Vielzahl an Informationen auseinander.

Allen vom Lockdown besonders hart getroffenen Händlern, Branchen oder Künstlern möchte ich sagen, dass...
...ich hoffe, dass es bald wieder bergauf geht und die öffentlichen Hilfen zeitnäher ausgezahlt werden. Und ich appelliere an alle Menschen bei uns im Landkreis: Nutzen Sie die Online-Angebote, die Liefer- und Abholmöglichkeiten der hiesigen Wirtschaft und kaufen Sie regionale Gutscheine. Und nutzen Sie die tollen kulturellen Angebote in unserem Landkreis, sobald dieses wieder möglich ist!

Den Umgang der Menschen im Landkreis mit der Pandemie insgesamt empfinde ich als...
...bei einigen zu unbesorgt. Bei den meisten aber sehe eine große Umsicht und auch Verantwortungsbereitschaft beim Einhalten der Regeln. Wir alle müssen zurzeit Einschränkungen hinnehmen.

Mein wichtigster Appell an die Menschen ist...
Bitte achten Sie auf sich und solidarisch auf Ihre Mitmenschen. Gerade im Hinblick auf das Ausbreiten der Virusmutationen gilt es weiterhin, sich tagtäglich an die AHA-Regeln zu halten. Die Impfquote wird steigen, aber dies braucht gerade angesichts einer Impfstoffknappheit noch einige Zeit. Und haben Sie bitte Geduld – schließlich handelt es sich um eine Pandemie, wie sie die Welt seit der Spanischen Grippe Anfang des letzten Jahrhunderts nicht mehr erlebt hat.

Wenn der aktuelle Lockdown beendet ist, möchte ich zuallererst...
...meinen 86-jährigen Vater unbefangen in den Arm nehmen, mit meiner Familie in Uelzen nach einem Kinobesuch schön essen gehen und mit Freunden aus dem Dorf in gemütlicher Runde bei einem Bier mal wieder die Seele baumeln lassen.
 

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